Geierabend sagt „Bye Bye Bottrop“

Hans Martin Eickmann alias Immi (r.) verlässt die Südtribühne. | Foto: (c) StandOut

Der letzte Förderturm zerbricht und der Geier winkt mit einem weißen Taschentuch zum Abschied. „Aber fröhlich, denn für das Ruhrgebiet geht es ja weiter“, beschreibt Regisseur Günter Rückert das neue Geierabend-Plakat. „Bye Bye Bottrop“ sagen die Geier dieses Mal, denn 2018 schließt dort mit Prosper-Haniel die letzte Zeche im Ruhrgebiet. Die Bergbau-Ära der Region geht zu Ende und dem will der Ruhrpott-Karneval vom 28. Dezember bis zum 13. Februar huldigen. Der Geierabend selbst nimmt nach der neuen Show allerdings auch Abschied von zwei Kollegen.

Rückert führt bei „Bye Bye Bottrop“ zum letzten Mal Regie, danach wird er dem Geierabend als Autor und seinem Nachfolger als Ratgeber erhalten bleiben. Sein Co-Regisseur Heinz-Peter Lengkeit übernimmt ab 2019 das Ruder. Auch für Hans Martin Eickmann wird nach 21 Programmen die Vorstellung am 13. Februar 2018 die letzte sein. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und nicht erst wenn es peinlich wird“, begründet Eickmann seine Entscheidung mit 65 Jahren auszusteigen. Spätestens mit dieser Nachricht tritt beim eingefleischten Fan wohl ein bisschen Wehmut auf: Denn ein Geierabend ohne Immi (Hans Martin Eickmann) und Lollo (Franziska Mense-Moritz) als die „Zwei vonner Südtribüne“ ist eigentlich undenkbar. Die Szene soll es auch 2019 noch weiterhin geben, „Immi“ wird allerdings nicht umbesetzt sondern durch einen neuen Charakter ersetzt. Trotz des besten Rentenalters hängt Eickmann das Bühnenleben nicht ganz an den Nagel: Bald geht er mit einem Drei-Mann-Theaterstück auf Tournee, dem Geierabend bleibt er als Autor erhalten. „2019 wird sich also vieles ändern“, wirft Veranstalter Horst-Hanke Lindemann schon mal einen Blick auf die nächste Spielzeit.

Immer mit dabei: Präsi und Steiger | Foto: (c) StandOut

Besonderes für Bottrop

In der jetzigen geht es aber erstmal mit der aktuellen Besetzung gewohnt nah an der Humor-Gürtellinie rund: Regionale Themen sind – neben dem Ende des Bergbaus – die vielen verschwundenen Kunstwerke bei der Stadt Dortmund und die Räumung des Hannibal-Komplexes in Dorstfeld. Die neue und jüngste Autorin im Team, Jana Fischer, beschäftigt sich – ihren beiden Szenen nach zu urteilen – offenbar vor allem mit der Weltherrschaft: Dank ihr erfahren die Zuschauer, dass sowohl der Kölner Karneval als auch Küchenmaschinen mit künstlicher Intelligenz versuchen die Macht an sich zu reißen. Für die Partnerstadt Bottrop haben sich die Geier etwas ganz besonderes überlegt. Die Stadt präsentiert sich während der Vorstellungen mit einem Stand, die Geier geben im kommenden Jahr eine Benefiz-Vorstellung in Bottrop und spenden die Erlöse an die Stadt, 18 sozial engagierte Bottroper erhalten Freikarten für den 21. Januar samt Sekt-Currywurst-Empfang und der erste Geierabendbesucher, der nach Bottrop zieht, darf sein Leben lang den Geierabend kostenfrei besuchen. Na wenn das mal keine Motivation ist. Irmine Estermann

Geierabend: 28.12.-13.2. Zeche Zollern, Dortmund