Auf Rädern: Marilyn Manson in Düsseldorf

Marilyn Manson mit Mikroständer-Gehhilfe | Foto: Nadine Beneke

Die einen fluchten. Die anderen jubelten. Marilyn Manson gastierte am Mittwochabend in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle. Aufgrund eines Bühnenunfalls Anfang Oktober bewegte er sich abwechselnd rollend oder hinkend.

„Weißt du, an wen er mich erinnert?“, fragt die junge Frau in der hinteren Sitzreihe ihren Begleiter aufgebracht. Und antwortet prompt: „An meinen Vater, wenn er besoffen ist.“ Im nächsten Satz fallen weitere, erschütternde Urteile wie „Enttäuschung“, „kein Konzert“ und „traurig“. In der Tat ist Marilyn Manson, der auf einem Thron mit Rollen um kurz nach neun die Bühne entert, keine 20 mehr. Und verletzt. Als ihm Anfang Oktober während einer Show eine der zwei - auch in Düsseldorf angebrachten - riesigen Bühnen-Pistolen aufs Bein fiel, war an Konzerte erst einmal nicht zu denken. Trotz zweier Brüche und reichlich Metall intus war der 48-Jährige in die Landeshauptstadt gekommen. Und die Autorin, vor kurzem von einem tückischen Kreuzbeinbruch heimgesucht und das erste Mal seit acht Wochen ohne aufblasbares Sitzkissen unterwegs, fühlte mit. Die Sitznachbarin in der hinteren Reihe, die sich voll der Verachtung ergoss, wurde also erst einmal mit einem strafenden Blick bedacht.

"Deutschläääänd!"

Doch zugegeben: Manson, der Antichrist Superstar, pflegt offensichtlich ein nicht ganz so ablehnendes Verhältnis zu Schmerzmitteln wie die Autorin. Aber „I don’t like the Drugs“ hat ihm ja schon 1998 keiner geglaubt. Und so gibt er zum Besten, was er kann. Wird von zwei grün gekleideten Sanitätern immer wieder in verschiedene Posen gehievt. Aus Gründen irgendwann auch in einen Rollstuhl. Bereits gesungene Textzeilen wiederholt Brian Hugh Warner a capella genauso mantraartig wie seine in hoher Fluktuation eingeworfene Publikums-Anrede des Abends: „Deutschlääänd!“. Die vorderen Reihen hüpfen und singen lauthals mit. Die Frau aus der hinteren Reihe meint: „Der hat echt nette Fans.“ Inzwischen sind auch die direkten Sitznachbarn und die Autorin nicht mehr ganz so überzeugt und halten die Stimmung damit hoch, dass die Sanitäter mit ihren Stirnlampen beim Umbau im Dunkeln ein wenig an Maulwürfe erinnern. Einen von den beiden taufen die Sitznachbarinnen George. Aber: Auch wenn die Band oder Manson zwischendurch immer wieder abbrechen und alles mit viel Verzögerung abläuft: „Disposable Teens“, „The Dope Show“ sowie „Sweet Dreams“, Letzteres auf dem OP-Tisch, zünden. Und ein bisschen schade ist es tatsächlich, dass „The Beautiful People“, bei dem sich Manson alles aus der Seele zu schreien scheint, das abrupte Ende nach knapp siebzig Minuten markiert. In diesem Sinne: gute Besserung, auch vom aufblasbaren Sitzkissen! Nadine Beneke