Dortmunder Hafenviertel: Neue Pläne, neue Szene

Entwurf für das Projekt „Nördliche Speicherstadt“ | Foto: Gerber Architekten GmbH / Quelle: Dortmunder Hafen AG

In Dortmund hat man einen Plan. Im boomenden Hafen der Stadt soll ein belebtes Quartier entwickelt werden, dass attraktiv ist für Investoren und Unternehmen, aber auch eine gewachsene Szene assimiliert. Logisch, Wasser hat eine hohe Anziehungskraft. Das Vorbild ist der Kreativkai in Münster.

Die Häfen dieser Welt haben schon immer eine ganz besondere Anziehungskraft auf Menschen. Egal ob Weltmeere, Flüsse oder Seen – Wasser fasziniert uns. Am Hafen trifft harte Arbeit auf Romantik, verruchte Gassen auf Fernweh und raue Stimmung auf Weltoffenheit. Doch die Häfen in Nordrhein-Westfalen sind längst mehr als Ankerplatz und Umschlagort für Motorjachten und Containerschiffe.

Neue Strukturen

Auch die Häfen in Düsseldorf, Duisburg, Lünen oder Münster haben einen Strukturwandel durchlebt. Dem Hafen in Dortmund steht dieser noch bevor. Lokalpolitiker, Wirtschaftsförderer und die Hafen AG denken intensiv über eine Umnutzung des Ports nach – und das schon seit über zehn Jahren. Das Vorbild der Ruhrstädter ist der Hafen in Münster, der in den vergangenen Jahren zum Kreativkai umfunktioniert und umgebaut wurde. Am Dortmund-Ems-Kanal in der westfälischen Metropole ist ein öffentliches Kommunikations- und Medienzentrum entstanden, kulturelle Einrichtungen locken die Münsteraner ebenso an den Pier, wie Bars und Restaurants.

Konzept: Port-Tower im Dortmunder Hafen | Foto: Gerber Architekten GmbH / Quelle: Dortmunder Hafen AG

Das ist auch der Ansatz für das Hafenbecken im Ruhrgebiet. Bislang scheiterte die Umsetzung der Pläne in Dortmund zwischen Containerhafen und Schützenstraße, Fredenbaumpark und Hauptbahnhof allerdings immer an fehlenden Investoren und bestehenden Mietverträgen in der Speicherstadt. 2017 aber laufen die Miet- und Pachtverträge für den nördlichen Abschnitt im Hafen aus. „Jetzt ist die Chance greifbar, an der Speicherstraße städtebaulich einen großen Wurf zu machen“, sagte Aufsichtsratsvorsitzende der Hafen AG, Dirk Goosmann, in der WAZ. „Der Hafen muss brummen!“, so wird Hafen-Direktor Uwe Büscher schon vor Jahren zitiert. Passiert ist bislang wenig.

Dabei hat sich dort schon in den vergangenen Jahren eine kleine, selbst organisierte Struktur entwickelt: Die Ausgeh-Achse ist mit Projektspeicher, Tyde Studios und dem Kultur- und Eventschiff Herr Walter natürlich gewachsen; hier fördern kreative Köpfe zeitgenössische Kunst aus der Region, Kreativbüros und Start-ups. Vor allem junge Leute zieht es in das Hafenviertel, das mittlerweile längst ein Szeneviertel ist. Ungeplant. Authentisch. Mit frischen Flair. Hier herrscht das Motto: „Nicht lang warten, einfach machen.“ Unter der schwarzgelben Flagge des BVB liegt Herr Walter vor Anker. Der alte Kahn war früher ein Schüttgüterschiff und ist mittlerweile seit fünf Jahren eine gefragte Party- und Eventlocation im Hafen.

Lebendiger Punkt im Hafen: Herr Walter | Foto: Oliver Buschmann

Herr Walter soll auch bleiben. Aber „Nordwärts“ - so der sperrige Projektname“ – haben die Entwickler andere Pläne für das Quartier. Hier dürften ganze Grundstücke versetzt werden, attraktive Baugrundstücke für Bürobauten entstehen. Verschiedene gastronomische Angebote sollen auch die betuchten Menschen an diesen Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals locken, eine Promenade wird das Herzstück zum Flanieren werden – so die Vision.

Gelungene Beispiele

Ähnlich wie in Duisburg. Dort ist der Innenhafen ein gelungener Beleg für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Das schicke Stadtquartier ist zu einem Ausgeh- und Szenenviertel geworden, es haben sich Werbefirmen, Architekten, Reisebüros und internationale Player angesiedelt und die kulturelle Klasse ist längst traditioneller Spielort für spektakuläre Inszenierungen bei der Nacht der Industriekultur. Aber nicht nur bei der Extraschicht fährt Duisburg groß auf. Mitten im Hafenstadtteil Ruhrort, der einzigartig auf einer Halbinsel zwischen Rhein und Ruhr liegt, ist die Kunstinsel. Kulturreiseanbieter DU Tours feiert am 12. November Premiere der Kunst & Kiez-Tour – kurz „KuK-Tour“. Vom „Echo des Poseidon“ und „Bananenhaus“ über „Ruhrorts Capri“ bis „Rheinorange“ wird die Kunstinsel im Duisburger Hafen zunächst bei Nacht erkundet. Im Dunkeln entfalten viele Kunstwerke vor Ort ihre ganze Pracht, so wie das „Energiefeld“ auf dem Neumarkt oder die „Blaue Grotte“ im Ex-Bunkerhafen.

Ähnliche Pläne wie in Dortmund gibt es übrigens auch in der Stadt des fußballerischen Erzrivalen FC Schalke 04. Dort ist das Projekt allerdings schon einen Schritt weiter als in Dortmund. Das Quartier „Graf Bismarck“ auf einem ehemaligen Kraftwerksgelände in Gelsenkirchen sieht neben Gewerbe- und Büroflächen eine Promenade und einen Kanaluferpark mit unverwechselbaren Ambiente vor. Nach und nach entsteht auch dort am Rhein-Herne-Kanal ein Kiez mit maritimen Lifestyle - diese Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitmöglichkeiten mit einem Jachthafen ist derzeit das wichtigste Neubaugebiet der Stadt. Was „Graf Bismarck“ fehlt, ist das frische urbane Leben und die jungen Leute, die sich das Wohnen und Feiern dort leisten können. Diese Szene ist nicht planbar. Sie entwickelt sich aus sich selbst, das macht die Anziehungskraft aus — so wie im Dortmunder Hafen.