Tanz auf dem Vulkan: 'Cabaret' in Gelsenkirchen

| Foto: Pedro Malinowski

Schnell wird klar, wir befinden uns in einem zwielichtigen Etablissement mit betrunkenen Matrosen und einem dämonisch-frivolen Conférencier. E. Mark Murphy ist in seiner Rolle der unbestrittene Star und Publikumsliebling des Abends. Regisseurin Sandra Wissmann, die bereits mit den „Comedian Harmonists“ die Gelsenkirchener begeistert hat, bietet alles, was der Zuschauer von „Cabaret“ so erwartet. Etwas Glamour, etwas politisches Zeitgeschehen, rasante Tanznummern (tolle Choreografien von Seân Stephens, Bühne: Dirk Becker).

Die alles überlagernde Erotik wird in großen Gesten persifliert und bis ins Comichafte verzerrt. Inspiriert von der Ästhetik des Stummfilms schwenkt die Regisseurin zwischen Satire und Tragik, sie inszeniert einen Tanz auf dem Vulkan, der durch die untergründige Bedrohung des aufkeimenden Nationalsozialismus bestimmt wird. Neben der Biederkeit enger Sexualmoral, in perfekter Spießbürgerlichkeit verkörpert von Christa Platzer als Frl. Schneider, steht der lustvolle Überlebenskampf von Sally Bowles (große Stimme von Judith Jakob).

Beim frenetischen Applaus wird klar, wie sehr sich das Publikum gegen den Nazi Ernst Ludwig positioniert, kassiert Michael Dahmen zunächst einige Buhs für seine Rolle, erhält aber später auch die verdienten Lorbeeren für seine Darbietung des fiesen Deutschen. Uta Meenen nimmt in ihren liebevollen Kostümen die Klischees des Deutschseins aufs Korn. Nie waren Lederhosen so sexy wie bei den drei Kit Kat-Boys.

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