Ruhrtriennale: Simons kommt nach Hause

Johan Simons | Foto: MFKJKS NRW

Niederländer übernimmt 2015 die Intendanz

Die Kunst ist ein geschützter Raum für Erinnerungen und Träume“, betont Johan Simons, ab 2015 für drei Jahre Intendant der Ruhrtriennale, bei seiner offiziellen Vorstellung. Dass diese Maxime allerdings bei seiner kommenden Aufgabe nicht in Gänze zu praktizieren sein wird, verdeutlicht allein die 45-minütige Gesprächsrunde in der Gebläsehalle des Duisburger Landschaftsparks.

Denn die Ruhrtriennale ist weit mehr als ein reines Festival der Künste. Für ihre Kritiker ein teures Vergnügen ohne spürbare Nachhaltigkeit, für ihre Befürworter das Vorzeigeprojekt der hiesigen Kulturlandschaft. Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des RVR, ist jedenfalls spürbar erfreut über den aktuellen Termin. „Man hört in diesen Tagen nicht allzu viel Positives über das Ruhrgebiet.“ Da kommt die Präsentation des renommierten Theatermachers Simons gerade recht.

Der Niederländer hebt sogleich seine Verbundenheit mit der Region hervor. „Die Ruhrtriennale ist für mich wie nach Hause kommen.“ Im doppelten Sinne, denn einerseits arbeitet der derzeitige Künstlerische Leiter der Münchener Kammerspiele in Zukunft wieder näher – „90 Minuten Fahrzeit“ – an seinem familiären Wohnort, außerdem ist das Festival für ihn keine unbekannte Größe, inszenierte er in dessen Rahmen doch bereits u. a. 2003 die Oper „Sentimenti“.

Zu zukünftigen Inhalten möchte Johan Simons derzeit am liebsten noch gar nichts sagen, wohl aber zum Motto der Intendanz. „Seid umschlungen!“, wird es heißen und spartenübergreifend den Anspruch verfolgen, wenn möglich alle Bevölkerungsschichten mitzunehmen. Um sein Ziel zu erreichen, gedenkt Simons neue Spielorte zu erschließen und die soziale Situation vor Ort thematisch aufzugreifen. „Nirgendwo gibt es so viele 1€-Shops wie im Ruhrgebiet.“ An sich ein gutgemeinter Ansatz, an dem allerdings landesweit viele Kulturschaffende vor ihm krachend gescheitert sind.

Mit seiner realitätsnahen Programmatik könnte es Johan Simons zumindest gelingen, den Graben zwischen Kritikern und Anhängern der Triennale ein Stück weit zuzuschütten. Auch und gerade weil der von ihm geschützte Raum der Kunst sehr wohl durchlässig ist. Von innen und von außen.

Aktuelle Kooperation der Ruhrtriennale unter der Leitung von Heiner Goebbels gedenkt auch Nachfolger Simons fortzuführen. Dazu zählen das Chorwerk Ruhr, PACT Zollverein und die Urbanen Künste Ruhr. Ob letztgenannte über 2014 als Programmsäule der Kultur Ruhr GmbH Bestand haben wird, entscheidet sich voraussichtlich in den nächsten Wochen.