Oper & Theater Dortmund: Guerillakampf und Wagner-Delirium

BU: Kay Voges: Reif für den „Faust“? | Foto: Philip Lethen

Kay Voges ist der Überflieger der Theaterlandschaft Ruhr: Beim Theatertreffen NRW räumte der Dortmunder Intendant genauso ab wie beim Sunset Film Festival in Los Angeles. Und jetzt ist er für den „Faust“ nominiert, der allgemein als deutscher Theater-Oscar gilt.

„Ich freue mich vor allem, dass Dortmund überhaupt mal wahr genommen wird. Normalerweise kommen doch die überregionalen Zeitungen gar nicht ins Ruhrgebiet“, kommentiert Voges seine Nominierung neben den Regie-Stars Luc Perzeval und Michael Thalheimer. „Die Stadt ist immer nur – zu Recht – stolz auf den BVB, hat aber sonst ein Minderwertigkeitsproblem.“ Die Vorstellung, Dortmund habe keine Hochkultur wie zum Beispiel Berlin, könne sich durch so eine Nominierung nachhaltig ändern, glaubt der 41-Jährige. Dass er am 16. November im Berliner Schiller Theater tatsächlich die begehrte Trophäe für seine Inszenierung „Das Fest“ verliehen bekommt, will Voges aber noch nicht glauben. „Thalheimer hat noch nie einen bekommen“, erzählt Voges, „der ist sicherlich mal dran.“

„Eigentlich sind ja die Ramones eher meine musikalische Welt.“

Viel Zeit bleibt Kay Voges auch gerade gar nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Gerade eröffnete er die Spielzeit mit der Inszenierung „Das goldene Zeitalter“, bei der er auch an jeder Vorstellung beteiligt ist, die Planungen für den Spielplan 2014/15 laufen bereits auf Hochtouren, und im Dortmunder Opernhaus geht seine Arbeit an „Tannhäuser“ von Richard Wagner (Premiere: 1.12.) in die heiße Phase. Es ist Voges‘ erste Opernregie – und dann gleich Wagner. Er zieht seinen Pullover nach oben, um sein T-Shirt zu zeigen: „Eigentlich sind ja die Ramones eher meine musikalische Welt.“ Er sei aber gespannt auf die Arbeit mit den Sängern und genauso auf die Reaktionen der Wagnerianer, weil er auch bei einer Opernregie nichts anderes machen will als im Theater: „Ich nehme Wagner ernst und suche nach den für uns aktuellen Konflikten in der Oper.“

Die Idee zu der Zusammenarbeit kam von Opern-Intendant Jens-Daniel Herzog, der nach der Voges-Inszenierung von „Der Meister und Margarita“ sagte: „Wenn du so Wagner machst, dann sollten wir das unbedingt mal bringen.“ Voges sagte zu und begibt sich jetzt auf einen Trip mit Tannhäuser. „An drei Stellen singt Tannhäuser ,Als ich erwachte‘. Eigentlich ist also die ganze Story ein einziges Delirium“, beschreibt Voges. „Ich will gemeinsam mit meinem Video-Künstler Daniel Hengst versuchen, diese somnambule Atmosphäre zu schaffen, die die Musik ja sowieso schon transportiert.“

Und wenn er den „Faust“ bekommt, ist Voges dann reif für eines der großen Theater mit dickem Etat? „Derzeit fühle ich mich eigentlich als Underdog, der einen Guerillakampf führt, ganz wohl.“ Punkrock eben.

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