"Machtspiele" im Schauspielhaus Düsseldorf: Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen

| Foto: Sebastian Hoppe

Friedrich Schiller übersetzte Louis-Benoît Picards 1797 entstandenes Lustspiel „Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen“ aus dem Französischen. Im Wahljahr bringt Nurkan Erpulat diese über zweihundertjährige Komödie mit leichter Hand nun gekonnt auf die Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses. Das Thema ist so alt wie zeitgemäß: Machtgier, Mobbing und Intrigen.

Willkommen im Vorzimmer der Entscheidungsträger. Da spielt es keine Rolle, wann und wo der neue Minister Narbonne (Moritz Führmann) mit welchen Vorwürfen, Skandalen und Konflikten konfrontiert wird. Machtkämpfe bedienen sich universell und ewig gültiger Systeme. Entscheidend ist allein, wer den „Chef“ auf welche Art und Weise auch immer erfolgreich umgarnt, somit letztendlich Einfluss nimmt. Der Preis für in diesem Sinne pointierte und erheiternd grotesk überzogene Hinterhältigkeit geht an Florian Jahr als Monsieur Selicour. Was für ein fieser, gemeiner Kerl dieser Subalterne des Ministers ist. Und dabei zugleich extrem smart und charmant. Mit skrupellosen Tricks und Lügen pokert er sich ganz weit nach oben, pirscht sich heran ans Zentrum der Macht. Wie ein Parasit nährt sich das einstige Landei dabei aus den Fähigkeiten und der Aufrichtigkeit der Anderen.

Hand aufs Herz: Wer ist solch einem Schleimer im Leben nicht schon einmal begegnet und stand fassungslos daneben? Es ist zum Heulen. Wenn es nicht so komisch wäre, wie hier in Szene gesetzt. Da ist es regelrecht befreiend, diesem perfekt stilisierten über Leichen gehenden Karrieristen einmal hämisch lachend bei seinen Manipulationsbemühungen über die Schulter zu schauen. Zuerst lässt der seinen einstigen Kumpel La Roche (grandios in seiner komischen Empörung und Entwicklung zum späten Rächer: Christian Ehrich) herzlos über die Klinge springen. Der alte Klassenkamerad verliert seinen Job. Dann baggert der Emporkömmling die Tochter des Ministers ebenso wie dessen Mutter an. Nahezu qualvoll in ihrer trotz brillanter Fähigkeiten verlegenen Bescheidenheit halten sich indes der überkorrekte Angestellte Firmin (Dirk Ossig) und sein sympathisch versponnener Sohn Karl (Marian Kindermann) anfangs noch im Hintergrund. Doch als mit dem Auftritt einer grellen Landschlampe (Stefanie Rösner) Selicours Vergangenheit ins Rampenlicht gezerrt wird, offenbart sich vielleicht doch noch eine Chance auf ausgleichende Gerechtigkeit und die Erlösung von solch einer Sorte Widerling. Wir wollen nicht verraten, ob die Moral von dieser Inszenierung eine gute oder böse ist. Nur so viel sei gesagt: Wir sitzen im Theater. Und da ist alles möglich.

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