Gruppenausstellung im Kultur Bahnhof Eller: Verlassene Orte

Dass das Morbide auf viele Menschen eine gewaltige Faszination ausübt, lässt sich nicht zuletzt an Garzweiler & Co. ablesen. Die niederrheinischen Dörfer, die peu à peu verschwinden, um dem Braunkohletagebau Platz zu machen, locken schon seit Jahren Touristen an den Rand der Grube. Nicht wenige von ihnen haben eine Kamera dabei, um das, was bald schon nicht mehr existent ist, einzufangen. Eine entweihte Kirche. Einen Metzger, der kein Fleisch mehr verkauft. Ein Wohnhaus mit eingeschlagenen Fensterscheiben. „Verlassene Orte“ heißt eine Gruppenausstellung im Kultur Bahnhof Eller, die ab dem 3.11. Fotografien ähnlicher Orte zeigt.

Die Schau ist der dritte und letzte Teil innerhalb einer Reihe zum Thema Vergänglichkeit. Thematisierten die beiden Vorgänger die Endlichkeit der menschlichen Existenz, geht es hier um die Vergänglichkeit von Orten, die einst der Mensch geschaffen hat und die heute nicht mehr genutzt werden. Das Männersanatorium Beelitz ist so ein Ort. Die Ende des 19. Jahrhunderts nahe Berlin erbaute Heilstätte diente einst der Bekämpfung der Tuberkulose. Im 1. und 2. Weltkrieg beherbergte der Bau dann ein Lazarett nebst Sanatorium für Frontsoldaten, bevor es nach 1945 von der roten Armee besetzt wurde. Mittlerweile steht das Gebäude bereits seit über einer Dekade leer. Anna Fleischmann und Roman Küffner haben es in wunderbarem Licht ins Bild gesetzt.

Weitere Fotografien zeigen das Kraftwerk Vockerode an der Elbe, dessen Innenleben wie ein verlassenes Raumschiff anmutet, den ehemaligen Regierungsbunker bei Ahrweiler oder den Bahnhof Canfranc an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, ein imposanter Bau mit Klassizismus- und Jugendstilelementen, an dem schon seit 1970 kein Zug mehr Halt macht.

Die beteiligten Künstler hat man in diesem Fall fast ausnahmslos im Internet gefunden. Die wenigsten von ihnen dürften eine klassische Ausbildung an einer Hochschule genossen haben. Auf Homepages oder in Blogs veröffentlichen sie ihre Aufnahmen. Und haben es jetzt in eine Ausstellung geschafft. Geht also auch.

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