Gerhard Polt: Humor findet statt

Faustschläge verbaler Art: Gerhard Polt | Foto: Dionys Asenkerschbaumer

Im vergangenen Jahr zeigte das Münchener Literaturhaus die laut Süddeutscher Zeitung „lustigste Ausstellung der Welt“. „Braucht’s des?! Gerhard Polt zum 70sten“ hieß die unvollendete Werkschau, ein Nachruf zu Lebzeiten, den der Nachgerufene höchstselbst kommentierte. Und sich somit einer klassischen Retrospektive lustvoll verweigerte: „Ein Mensch, der lebt, verdient keine Biographie.“

Gerhard Polt ist niemand, der gerne über sich selbst spricht. Bootsverleiher war sein Traumberuf, das immerhin weiß man. Lieber lässt er andere Menschen zu Wort kommen – und sich gnadenlos selbst entlarven, wenn sie im Brustton der Überzeugung den absurdesten Blödsinn verkünden. Keiner kann die Abgründe des Kleinbürgertums so meisterlich darstellen wie der große Schauspieler, Kabarettist und Satiriker Gerhard Polt. Was er seinen Figuren in den Mund legt, verdankt sich weniger der Erfindungs- als vielmehr einer feinsinnigen Beobachtungsgabe. Denn: „Humor ist immer dann, wenn er stattfindet.“

Im November findet Humor in Düsseldorf statt; Polt gastiert für zwei Abende im Kom(m)ödchen. Sein aktuelles Solo-Programm trägt gleichfalls den Titel „Braucht’s des?!“, und die Antwort liegt auf der Hand. Ja, freilich braucht’s des, denn hier geht es um elementarste Fragen. Schließlich sind sowohl die Landtagswahl in Bayern als auch die Bundestagswahl noch präsent genug, um die Menschen umzutreiben, und als politisch interessierter Bürger hat man dazu selbstverständlich eine Meinung: „Wir brauchen in Bayern keine Opposition – wir haben schon eine Demokratie!“

Ob Deutschland zum Zeitpunkt des Polt’schen Auftritts von einer Großen Koalition regiert wird, stand zu Redaktionsschluss nicht fest. Auch die Anschlussverwendung der Mitglieder und Mitarbeiter der FDP war noch ungeklärt. So oder so, Gerhard Polt wird der Gesprächsstoff nicht ausgehen. Es versteht sich von selbst, dass er vor vollem Haus spielt, beide Vorstellungen sind längst ausverkauft. An der Abendkasse sind aber noch Restkarten erhältlich.

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4.5. Bochum, Bahnhof Langendreer
16.6. Essen, Weststadthalle
17.6. Dortmund, Dietrich-Keuning-Haus