Ganz in der Nähe: Pina40

Der junge Paul White in Meryl Tankards Bearbeitung von "The Oracle" | Foto: Regis Lansac

Pressekonferenz zu "Pina40"

Pressekonferenzen laufen zumeist nach dem gleichen Muster ab: Eine Veranstaltung wird vorgestellt, Häppchen stehen bereit, im Anschluss folgt ein Frage-Antwort-Spiel. Grob fand auch die heutige „PK“, wie es im Fachjargon heißt, so statt. Ein entscheidender Unterschied zur sonstigen Geschäftigkeit stellt jedoch die Tatsache dar, dass die Hauptperson der Veranstaltung „Pina40“ fehlt. Und zwar allen künstlerisch Beteiligten.

 

So erzählt Chefchoreograph Martin Schläpfer in weißem Hemd mit schwarzer Weste, dass er 2009 einen Brief von Pina Bausch erhalten hatte, bevor er von Mainz nach Düsseldorf kam. „Es ist schön, dass Sie bald in unserer Nähe sind“ stand darin. Vier Jahre nach dem Tod der Ausnahmetänzerin und- choreographin hängt das Bild nun eingerahmt in Schläpfers Düsseldorfer Heim. Unter den zahlreich anwesenden Journalisten auf den beige gepolsterten Stühlen herrscht ehrfürchtige Stille. Auch Bettina Milz, Leiterin des Referats Theater und Tanz der Düsseldorfer Staatskanzlei betont die Bedeutung Bauschs, nennt diese in einem Atemzug mit Gerhard Richter und Joseph Beuys.

40 Jahre besteht das Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch nun, in diesem Jahr findet das erste Jubiläum ohne die Namensgeberin statt, wie der langjährige künstlerische Assistent der Choreographin, Robert Sturm, betont.

Als es um das Programm für Düsseldorf geht, wird auch gelacht. Meryl Tankard, ebenfalls Weggefährtin Bauschs, engagierte für das Stück „The Oracle“ (15.-17.11.), das im tanzhaus nrw zu sehen sein wird, kurzerhand Tänzer Paul White. Dieser war, wie die elegante Australierin schmunzelnd erzählt, noch nicht einmal geboren als sie bereits in der ganzen Welt arbeitete und aus Wuppertal wieder in ihre Heimat Australien zurückkehrte. Fabien Prioville, der mit „The Smartphone Project“ (13./14.11.)  das erste Stück vorstellt, „bei dem das Smartphone mitgebracht und angelassen werden soll“, war ebenfalls Mitglied des Wuppertaler Tanzensembles. Von selbigem gibt es im Rahmen von Pina40 zum ersten Mal die beiden letzten Stücke Bauschs an einem Abend zu sehen. „Bamboo Blues“ und „Sweet Mambo“(15./16.11.) stehen auch im Düsseldorfer Opernhaus unter dem Motto des Wuppertaler Tanztheaters: „Nicht vergessen!“.

Vergessen wird Pina Bausch mit Sicherheit nicht, und in der nächsten Woche ist sie mit ihrem einzigartigen Werk sogar ganz in der Nähe: In Wuppertal, Essen und Düsseldorf.