So war die Schwatzfahrer-Premiere

Frau BO-DE, Piet Klocke und der coolibri Jute-Beutel. | Foto: Gregor Blum

Wartesaal mit Wortwitz

In den Sitzgelegenheiten lümmeln, Easy Listening der literarischen Art, und dazu auch noch lecker Fettgebäck auf den Salontischchen – die Premiere der coolibri Lese-Lounge im Bahnhof Langendreer war eine von den lustigeren. 

coolibri-Redakteurin Sabine Bode (Ruhrgebiet) und ihr Wuppertaler Kollege Jörg Degenkolb-Degerli haben schon mit der ersten Ausgabe dieser Lachnummer bewiesen, dass es am Sonntagabend mehr gibt als Lindenstraße, Tatort und Lieselotte Pilcher.

Dabei war der Name „Schwatzfahrer“ weniger Tippfehler als Programm, und gelesen wurde stereo. Ein Schreibtisch rechts, ein Schreibtisch links. Während auf der einen Seite gelesen wurde, konnte man auf der anderen manchmal zusehen, wie hier und da noch am fast noch tinte-triefenden Text gefeilt wurde. Oder war das nur Show? So dicht an den Gleisen und bei dem Titel war ein Themenschwerpunkt für die Premiere natürlich schnell gefunden. Wie schön, dass Jörg D. noch eine Menge Neues eingefallen war, was man gern in vollen Zügen erleben würde. Sabine Bode, ausgestattet mit einem grund-bodenständigen Brass auf vieles, was das Volk so treibt, erzählte derweil aus der bunten Welt der Schmuckdesignerinnen („Broschenluder“) oder gebeutelter Ü-40-Eltern beim Eltern-Kind-Turnen („Wer jetzt keine Matte hat, der holt sich keine mehr…“). 

Aber auch die Zuhörer kamen nicht unvorbereitet, jedenfalls einer nicht, und just der durfte dann auch gleich zwei Texte lesen. Jörg ISI Isringhaus, erprobter Kneipenleser aus Wuppertal, hatte sich seine eigenen Gedanken darüber gemacht, wie man Vielschwätzern über den Mund führt: Handy raus und „Ja ich geb’ Dir dann mal die Zahlen durch, von 1 – 5 Millionen“ – das müsste man tatsächlich mal ausprobieren.

Stargast der ersten Show aber war ein anderer. Kaum hatten Frau BO-DE und Herr DoppelD „Wisch you were here“ gefeudelt und gekalauert, watete, stakste, stolperte ein Lulatsch von einem Comedian ans mittig platzierte Stehpult und las aus seinen unvollendeten Aphorismen. „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?“ Piet Klocke beweist schon Funny Bones, wenn er sich nur die Augen reibt oder die Hände wringt. Und die Anekdote über seinen hingebungsvollen, aber völlig ignorierten "Wetten, dass ...?-Auftritt war auch sehr hübsch.

Die Premiere ist geschafft, die Rubriken (etwa die Musikecke „Schwatzgepresst“ oder die Deutschstunde „Abgeschrieben“) sind etabliert, mit Abbas Gruselschlager „Wartesaal der Liebe“ ein würdiges Intro gefunden. Am 18. November gibt’s die nächste Auflage der Schwatzfahrer mit durchweg allerneusten Texten und einem Stargast, der Klockes Format in körperlicher Hinsicht nicht ganz erreicht, im Stand-up aber einer der ganz großen ist. Die Spannung ist also wieder groß, wer diesmal auf die Bühne stolpern wird, wenn das nächste Mal die beiden Schreibtischtäter mit Angstschweiß auf der Stirn ausrufen: „Oh je…. der Chef kommt!“

Schwatzfahrer – der coolibri Wortbahnhof, So, 18.11., 19 h, Bahnhof Langendreer, bahnhof-langendreer.de

Karten auch im Sekretariat coolibri, Ehrenfeldstr. 34, Bochum, Mo-Fr 9-17 h, Tel. 0234-937370

Facebook.com/Schwatzfahrer

 

Video