"König Richard der Dritte" in Bochum

| Foto: Arno Declair

Ein Königreich für einen Höllenhund

Vorbei ist’s mit dem falschen Königshaus, auf dem Thron sitzt endlich der Sohn, ja die Sonne Yorks. Mit seinem ersten Satz lässt Shakespeare seinen Richard die vorhergegangenen Heinrichs-Dramen zusammenfassen, dann geht’s gleich ans Morden lassen und ans Ränke schmieden. Bis der Bochumer Richard so den „Winter unseres Missvergnügens“ für beendet erklärt, dauert es 75 Minuten. „Shakespeare zieht sich“, raunt eine Dame in Reihe 10.

Roger Vontobel (Regie) beginnt mit Szenen aus Heinrich IV, setzt das Drama und seine Hauptfigur so in einen quasi-historischen Kontext. Was sollen diese Wirren anderes hervorbringen als einen fiesen Möpp? So was kommt von so was! Tatsächlich soll der wahre Richard ja weder Buckel noch Klumpfuß gehabt haben, und selbst wenn Shakespeares Text dies immer wieder andeutet (das machte man damals so mit unliebsamen Ex-Monarchen), geht Paul Herwig als angehender König Richard III ganz flott, aber nur im körperlichen Sinne aufrecht durchs Leben. Zehn Jahre nach Armin Rohdes Richard-Solo an gleicher Stelle ist Herwigs Darstellung ungleich verhaltensunauffälliger. Er ist böse, personifiziert aber nie „Das Böse“. Er ist gemein, ihm gelingt es aber kaum, das gemeine Volk, also das Publikum, für sich einzunehmen. Die Verführung Lady Annes und auch des Volkes – man tut sich schwer, sie ihm abzunehmen. Ohne einen großen Auftritt aber, ohne einen Höllenhund in der Titelrolle fehlt dem Stück – bei aller Schlüssigkeit der Inszenierung – als Stück Theater ein Zentrum, ein waidwunder Punkt.

Punkten dagegen können die Frauen in ihren Rollen, Therese Dörr wenn sie als Lady Grey zu „Stayin’ Alive“ tanzt, Jana Schulz als Königin Margaret, Jutta Wachowiak als Herzogin von York. Und das Bühnenbild, das geschickt den Zuschauersaal zitiert. Richard stirbt nach fast vier Stunden, weil ihm sein letzter Wunsch verwehrt wird: Tausche Königreich gegen Pferd. Shakespeare zieht sich, ja, er zieht aber noch immer.