Junge Wilde: Elegische Exzesse

Junge Wilde: Khatia Buniatishvili | Esther Haase / Sony Classical

Khatia Buniatishvili

Jung zu sein bedarf es wenig; eine neue Marschrichtung auf klassischem Boden einzuschlagen, erfordert hingegen ausreichend Mut zum Risiko. Die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili hat ihr draufgängerisches Temperament bereits mehrfach bewiesen, unter anderem als Opener des Klavierfestivals Ruhr 2011, und gehört deshalb zu Recht zu den neuen „Jungen Wilden“ am Konzerthaus. In ihren eigenwilligen, von dramatischem Mienenspiel begleiteten Interpretationen bewegt sich die 24-Jährige mühelos zwischen den Extremen, beherrscht folglich elegisches Schmachten und exzessive Ausbrüche gleichermaßen. Nicht zuletzt bescheinigte ihr die Grand-Dame des Pianos, Martha Argerich, ein „außergewöhnliches Talent“.Für ihr erstes jung-wildes Konzert hat Buniatishvili ein Programm ausgewählt, mit dem sie bereits andernorts manch Hörgewohnheiten entmachtete: drei Scherzi und die Ballade Nr. 4 von Chopin, Liszts Klaviersonate in h-moll sowie drei Sätze aus Strawinskys „Petruschka“. Letzteres ein hochkomplizierter Parforceritt, den der Jungstar mit behänder Leidenschaft auf sich nimmt.