Geierabend 2012: Interview mit Steiger Martin Kaysh

„Ein Zombie hing am Förderseil“ | Foto: Bussenius & Reinicke / StandOut.de

Glück auf, der Geier kommt

Im Ruhrpott kommt der Steiger nur noch auf die Bühne des alternativ-bunten Ruhrpott-Karnevals „Geierabend“ auf Zeche Zollern. Bevor am 27. Dezember die neue Saison beginnt, holte Tim Müßle bei „Geierabend“-Steiger Martin Kaysh noch essenzielle Informationen ein.

Herr Kaysh, ich bekomme über Weihnachten Besuch von Verwandten, sozusagen aus dem Ausland, aus dem Schwarzwald. Darf ich die harmlosen Leutchen einfach mit in den „Geierabend“ bringen, oder laufen sie Gefahr, aufgrund des Ruhrpott-Humors geistigen Schaden zu nehmen?

Da bist du ja schon mal der erste Integrationsschritt. Wenn sie dich ertragen, schaffen sie auch den „Geierabend“. Schaden werden sie nicht nehmen. Im Gegenteil, wir versuchen seit Jahren, den „Geierabend“ als Bildungsveranstaltung anerkennen zu lassen. Dann könnten die Besucher endlich ihre Tickets von der Steuer absetzen. Was sie lernen könnten? Als Fazit ein klares: „Siehste? Geht doch!“

Was ist beim aktuellen „Geierabend“ dabei, was noch nie dabei war?

Erstens die Saxofonisten Karin Hatzel. Sie vertritt 2013 Gilda Razani. Zweitens die Untoten, die wir uns selbst eingehandelt haben mit dem Motto „Ein Zombie hing am Förderseil“. Da sind wir zunächst auf den coolen Sound reingefallen. Jetzt erst lernen wir die Jungs zu lieben. Drittens: wenn der Duden die Grundlage sprachlichen Handelns bildet, wenig Neues. Aber 300 000 Wörter Grundwortschatz lassen sich unendlich oft kombinieren, manchmal sogar sinnvoll. Die Themen machen den Unterschied. Da ist viel Lustiges passiert in diesem Jahr: Beschneidungen, Organspenden, Herdprämie, Dortmunder Double … ein dankbares Jahr.

 

Den „Geierabend“ gibt es seit 1992. Es soll Leute im Ruhrgebiet geben, die noch nie eine Vorstellung gesehen haben. Warum sollten die ausgerechnet jetzt kommen?

Weil wir Menschen im Ruhrgebiet früher sterben als die Bewohner der übrigen Landstriche in NRW. Das sollte man durchaus positiv sehen. Nimm nur mal so einen Bielefelder. Erstens wohnt der in einer scheiß Gegend, und zweitens muss er es auch noch länger aushalten. Es könnte also schnell zu spät sein. Wir wollen keinen doof sterben lassen, weder auf der Bühne noch im Saal. Außerdem hat Kevin Großkreutz gesagt, das Geierabendlied „Boah ey, Borussia“ habe den BVB zum Meister gemacht. Man kann also mal gucken kommen, das Geheimnis des Erfolges entschlüsseln. Wobei „man“ dann durchaus auch solche Typen wie Uli Hoeneß sind.

geierabend.de

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