Bochum bleibt 2013 Spielort der Impulse Theater Biennale

Schlechte Nachrichten mit Kulturbezug sind im Ruhrgebiet nichts Neues. Umso schöner, wenn sie sich durch engagiertes Handeln vieler Akteure in gute Nachrichten wandeln. 

Wegen einer drohenden Finanzierungslücke stand die Teilnahme der Stadt Bochum an der Impulse Theater Biennale, früher als Festival Impulse bekannt, auf der Kippe.

Jeder Spielort (aktuell Bochum, Düsseldorf, Köln, Mülheim) muss sich nach den Regeln des Festivals mit 45.000 Euro beteiligen. So legt es der Hauptveranstalter, das NRWKultursekretariat, fest. In Bochum sieht der Kulturetat 2013 dafür wieder eine Summe von 27.000 Euro vor. In den vergangenen Jahren konnte die Restsumme mit Hilfe des prinz regent theaters durch Stiftungen und Sponsoren aufgebracht werden. Die meisten Stiftungen dürfen sich jedoch laut ihrer Satzung nicht dauerhaft für eine Veranstaltung engagieren und so war eine Lücke im Etat für 2013 absehbar.

Nun die Entwarnung. Dank der Kooperation vom prinz regent theater, Rottstr 5 Theater und Schauspielhaus kann die Impulse Theater Biennale vom 27. Juni bis 7. Juli 2013 im üblichen Rahmen in Bochum stattfinden.

Für Sibylle Broll Pape, Intendantin am prinz regent theater, ist der Kampf um Geld nichts Neues. Obwohl die Zuschüsse für ihr Haus in den letzten Jahren immer kleiner ausfielen, beteiligt es sich mit 2.000 Euro. Schließlich ist das freie Theater bereits seit über zwanzig Jahren Mitveranstalter und Spielort des Festivals. Broll-Pape hat jahrelang federführend um Stiftungen und Sponsoren für Impulse gekämpft. Durch den Wegfall der Stiftungsgelder habe sie jetzt aber die Stadt in die Verantwortung nehmen müssen. Und das offensichtlich mit Erfolg. Sie freue sich, dass „eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung“ gefunden wurde. Sicherlich wolle das Schauspielhaus als größter Geldgeber jetzt mehr mitreden, aber das sei legitim. Wichtig sei, dass das Festival 2013 wieder in Bochum stattfinden könne.

Finanziell ist das also nun vor allem dem Schauspielhaus Bochum zu verdanken. Neu ist dessen Kontakt mit dem Festival nicht. Das Haus ist bereits seit einigen Jahren Unterstützer und Spielstätte für das laut Intendant Anselm Weber „wichtigste Festival der freien Szene“. Weber hatte sich bereits während seiner Zeit in Essen für Stadtprojekte eingesetzt und führt diese Arbeit auch in Bochum weiter. Dieses Anliegen und die Zusammenarbeit mit der freien Szene stehe bei seiner Arbeit über allem, so Weber. „Gräben zwischen der freien Szene und den Stadttheatern zu schaffen ist kontraproduktiv.“ Glücklicherweise könne das Schauspielhaus gerade „finanziell etwas aufatmen, nicht durchatmen“ und habe mit dem Kooperationsetat die Möglichkeit, das Festival zu unterstützen. Da die Impulse Biennale nur alle zwei Jahre stattfindet, werde das Geld außerdem aus dem Etat für zwei Jahre kommen. Andere Projekte werden sogar verschoben, weil es so Weber dringender sei, die Impulse zu unterstützen. „Es hätte der Theaterstadt Bochum nicht gestanden, wenn das Festival hier nicht stattgefunden hätte.“

Daher fragte der Schauspielhaus Intendant auch beim Rottstr 5 Theater nach, wie es das Festival unterstützen könne. Deren Pressesprecher Honke Rambow findet es „wichtig, dass das Festival auch weiterhin in Bochum stattfindet, der Theaterstadt des Ruhrgebietes“. Das Rottstr 5 Theater könne sich zwar nicht wie die beiden anderen Häuser finanziell beteiligen, hat sich aber als Spielstätte angeboten und stellt auch sein Personal zur Verfügung. Dabei sei das Haus nicht nur an einer einmaligen Lösung interessiert. Allerdings gingen die Planungen des Hauses noch nicht so weit, dass für das Jahr 2015 zuverlässige Aussagen gemacht werden könnten. Der Wille ist aber da: „Nichts spricht gegen eine weitere Beteiligung.“ 2013 ist das Rottstr 5 Theater nun erstmals an der Impulse Theater Biennale beteiligt.

Dass diese Lösung zustande kam, begrüßt auch das NRWKultursekretariat. Direktor Dr. Christian Esch freut sich, dass Bochum auch im Jahr 2013 Austragungsort des Festivals bleiben kann. Nach den bedenklichen Signalen hätten ihn die ersten Gespräche relativ zuversichtlich gestimmt. Daher ist eine alternativer Spielplan ohne Bochum auch noch nicht ausgearbeitet worden. Grundsätzlich könne auch jede andere Mitgliedsstadt bei dem Festival mitmachen. Ohne die geforderten 45.000 Euro Minimalbeitrag sei es aber einfach nicht möglich, das Festival zu managen. Laut Esch haben die anderen Städte bisher keine Probleme mit der Finanzierung, Köln zahle sogar mehr als den Minimalbetrag. 

Dass Bochum sich in naher Zukunft mit zusätzlichem Geld beteiligt, ist angesichts der finanziellen Situation wohl nicht zu erwarten. Auch der (Wieder-)Einstieg anderer Städte scheint momentan nicht wahrscheinlich. Michael Townsend, Kulturdezernent in Bochum, ist für seine Stadt optimistisch und will sich auch weiterhin für das Festival engagieren. „Als Verwaltungsratsvorsitzender des Schauspielhauses gehört es zu meiner Aufgabe, darauf zu achten, dass das Theater sein Budget einhält“. Umso erfreulicher sei es für ihn, dass das Schauspielhaus mit seinem Kooperationsetat Hilfe anbieten könne. Der gewählte Weg besitze „hohen Symbolcharakter und zeigt, dass die Theater auch Verantwortung für die Stadt übernehmen.“ Er habe vor allem Wert auf die Abstimmung der Kommunikation der Häuser untereinander gelegt. Schließlich solle niemand behaupten, „das Schauspielhaus frisst jetzt das freie Festival.“ 

Eine letzte aber anscheinend unkritische Hürde muss die Finanzierung noch nehmen. Laut Townsend fehlen noch 3.000 Euro, die aus der Projektförderung der Stadt kommen sollen. Wenn der Kulturausschuss dem Antrag zur Bewilligung zustimmt, ist alles klar für die Impulse Theater Biennale 2013.

Fakten zum Festival

Die Impulse Theater Biennale, ehemals Festival Impulse, zeigt seit 1990 Produktionen der freien Szene im deutschsprachigen Bereich. Dabei hat sie es immer wieder geschafft, junge Talente zu entdecken, die mittlerweile jedem in der Theaterszene ein Begriff sind. Dazu gehört auch der Hausregisseur des Schauspielhauses Bochum, Roger Vontobel.

2013 findet das Festival zum 17. Mal statt und wird erstmals von Florian Malzacher und Stefanie Wenner kuratiert. Beide suchen nicht nur fertige Produktionen der freien Szene, sondern auch Konzepte, die mit Hilfe des Festivals noch verwirklicht werden sollen. Die Auswahl trifft nicht wie bisher eine Jury, sondern ein Beirat aus Wissenschaft und Kunst. Mitte Dezember gibt sie bekannt, welche Künstler eingeladen werden. Mit dem Motto für 2013, „under the influence“, soll auf Grundlage der Eingrenzung auf den deutschsprachigen Raum hinterfragt werden, welchen Stellenwert nationale Identitäten in Europa noch haben oder haben dürfen und was zwischen den Polen regionaler Verbundenheit und globaler Vernetzung liegt.

Die Impulse Theater Biennale findet zum nächsten Mal vom 27. Juni bis 7. Juli 2013 in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr statt.

festivalimpulse.de