Anne Chu „Animula Vagula Blandula“

Anne Chu: Putti (No 2 of 13), 2011 | A. Chu

Zwischen Zeiten, zwischen Welten

Dieser Schau ging ein Besuch der Künstlerin im Krefelder Ausstellungsraum voraus. Bereits 2010 ließ die US-Amerikanerin Anne Chu das Museum Haus Lange eigens für diese Schau nachhaltig auf sich wirken. Basierend auf ihren Eindrücken entstand ein zielsicher auf die spezielle Architektur und besondere Aura der Mies-Villa zugeschnittener Werkzyklus.  

Anne Chu, die als Tochter chinesischer Immigranten 1959 in New York geboren wurde, interessierte sich schon früh für außeramerikanische Kulturen. So bezieht sie sich in ihrer Arbeit ebenso auf chinesische Grab- und indische Tempelskulpturen wie römische Figuren aus Pompeji und Herculaneum oder die Architekturmodelle des uns zeitlich wohl noch am nächsten stehenden katalanischen Baumeisters Antonio Gaudí. Dabei nutzt sie experimentierfreudig moderne Techniken für einen außergewöhnlichen Materialmix. Keramik, Porzellan, Aluminium, Bronze, Stoffgewebe oder Pappmaché und Holz kommen in teils sogar nur einer Figur gebündelt zum Einsatz. 

 Und auch der Künstlerin Farbwahl ist für das Medium „Skulptur“ oft überraschend vielfältig. So beherrscht beispielsweise die Gruppe der dreizehn „Putti“ in verblüffend bunter Glasur das Erdgeschoss. Wie aufgespießt schweben die kleinen Keramikleiber im klar konzipierten Raum. Das tragende Rohr sticht den Putti zwar nicht mitten ins Herz, aber mindestens ebenso brachial quer durch den Leib. Dieser Umgang mit den sonst in der Regel gerne so lieblich drapierten Himmelsboten ist zugleich berührend wie erfreulich gewöhnungsbedürftig. Flankierend gemahnt derweil ein lebensgroßer Torso aus Nickel-Silber an die Sterblichkeit des Menschen. Zwei andere Porzellan-Skulpturen spiegeln Varianten kindlicher Gemütsverfassungen. So finden Himmel und Erde, Jung und Alt, Raum und Werk ebenso wie das Gestern und Heute scheinbar mühelos in Anne Chus charakteristischer Formensprache zueinander. Die Führung am 11. November wird spannende Perspektiven bei der Auseinandersetzung mit diesem an Zitaten so reichen und komplexen Werk eröffnen. 

Anne Chu „Animula Vagula Blandula“: bis 7.4. Museum Haus Lange, Wilhelmshofallee 91, Krefeld; Di–So 11–17 Uhr

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