30 Jahre Müllers Marionetten-Theater

Geschichten mit (rotem) Faden

Wege, Geschichten zu erzählen, gibt es viele. Ursula und Günther Weißenborn beschlossen vor dreißig Jahren, dies anhand von Marionetten-Theaterstücken zu tun. Am Neuenteich in Wuppertal erfreuen sie mit ihren liebevoll gestalteten Produktionen Zuschauer ab drei Jahren. Darüber hinaus haben sie Opern be- und in Filmen mitgespielt.

Ein paar zuckende Marionetten, die „sprechen“, reichen in der Regel nicht aus, um Zuschauer zu packen. Vielmehr braucht es Atmosphäre; ein schönes und nachvollziehbares Bühnenbild, Lichtinszenierung, einen pointierten Plot und einen verträglichen Zeitrahmen. Für all das haben Ursula und Günther Weißenborn ein Händchen. Das beweisen sie in Wuppertal seit zwanzig Jahren in ihrem Marionetten-Theater am Neuenteich, mit gut 300 Vorstellungen pro Jahr.

Puppenspiel-Kunst

Den Anfang fand Müllers Marionetten-Theater, das nach dem Geburtsnamen von Ursula Weißenborn benannt ist, allerdings schon vor dreißig Jahren in Bremen. Nachdem sie von 1979 bis 1981 als Puppenspielerin am Lübecker Marionettentheater Fritz Fey tätig gewesen war, nahm Ursula Weißenborn gemeinsam mit ihrem Mann wortwörtlich selber die Fäden in die Hand und gründete das Theater. Günther Weißenborn, der noch von 1977 bis 1993 als Dramaturg an Theatern in Nürnberg, Lübeck, Bremen, Wuppertal und Düsseldorf/Duisburg arbeitete, sattelte mit Beginn des eigenen Theaters in Wuppertal gänzlich auf Puppenspieler um. „Unsere künstlerische Richtung war vom ersten Tag an klar: Marionetten“, erinnert sich der 1951 in Göttingen Geborene. Und es sollten nicht nur klassische Kinder- und Familienstücke dabei rauskommen. Vielmehr ging es um ein kunstvolles Ganzes, was sich nicht nur in vielen Märchendramen für Kinder widerspiegelt, sondern auch in dem großen Stoff der Weltliteratur.

Marionette global

„Unsere Marionetten spielten in Russland, Frankreich und der Schweiz, sie reisten durch Japan, sie arbeiteten mit Werner Herzog und Placido Domingo, wurden auf der Modemesse Premiere Vision in Paris ausgestellt, traten in der Krimiserie SK Kölsch auf und waren die Stars in dem Fernsehfilm ‚Kalif Storch’.“ Der russische Kinderbuch-Autor Sergej Georgijev widmete Müllers Marionetten-Theater seine Novelle „Mario“. Lutz Werner Hesse komponierte zwei Bühnenwerke für das Ensemble, die an der Oper Bonn mit dem Beethovenorchester und an den Wuppertaler Bühnen mit dem Sinfonieorchester Wuppertal uraufgeführt wurden. Man könnte immer weiter aufzählen, was Weißenborns neben den Vorstellungen im Stammhaus alles produziert haben und stellt wieder einmal fest: Karl Valentin hatte ja so Recht, als er sagte „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“.

Kunst-Unternehmen

„Wir planen zusammen und bereiten vor“, erläutert Günther Weißenborn, „dann trennen sich unsere Wege. Meine Frau stellt die Puppen her, ich schreibe das Stück.“ Und dann ist da noch der Tischler, der das Bühnenbild baut, die Schneiderin, der Maler, das Aufnahmestudio … und das Spielen, das liegt dann wieder in den Händen der Betreiber. Ein Blick hinter die Kulissen bestätigt, dass hier neben der eigentlichen Kunst jede Menge (vor allem Licht-) Technik die Stücke professionell in Szene setzt. „Dabei agieren wir völlig gegen den Trend. Unsere Inszenierungen sind zurückgenommen, inhaltlich aufs Wesentliche reduziert. Aber sie sind so intensiv, dass wir die Kinder damit ‚kriegen’. Und darum geht es mir: Ich will die Kinder packen!“ Und die Erwachsenen natürlich auch. Von denen waren schließlich viele selbst schon als Kinder in Müllers Marionetten-Theater.

muellersmarionettentheater.de