Serdar Somuncu: Der Heilige Geist greift an

Zwieback und T | Foto: Johannes Boventer

Was ist das?“, fragt André Fuchs unsicher. „Koks“, antwortet Serdar Somuncu trocken. Ich zucke zusammen und blicke von meinen Unterlagen auf. Somuncu hat eine kleine Blechdose mit Pfefferminz-Bonbons aus dem Bioladen auf den Tisch gelegt und bietet auch mir an zuzugreifen. Vielleicht reicht dieser Moment, um die Wirkung des Kölner Comedians zu begreifen.

Er weiß, wie er mit wenigen Worten eine maximale Schockwirkung erzielt und seine Zuhörer aus der komfortablen Passivität lockt. Dabei ist er doch eigentlich nur ein höflicher und zuvorkommender Gastgeber mit ehrenhaften Motiven. Natürlich hat der 45-Jährige das Image des geschmacklosen Provokateurs seiner bekanntesten Rolle zu verdanken – dem Hassprediger, der in seiner Webshow „Hatenight“ keine Tabus zu kennen scheint und für unangenehme Konfrontationen sorgt.

Die haben bei dem in Istanbul geborenen Künstler Tradition. So sorgte seine Lesetour „Nachlass eines Massenmörders“, in der er seit 1996 Passagen aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ vortrug, selbstverständlich für Kontroversen und äußerst reale Bedrohungen durch Neonazis. Dass der studierte Musiker, Schauspieler und Regisseur aber eben nicht nur als Tabubrecher und Provokateur wahrgenommen werden will, machte er mit dem Album „Wir beide“ mit Hip-Hop- und R&B-Sound deutlich, das er zusammen mit Fuchs als „Zwieback und T“ aufgenommen hat. Das Album überrascht bereits mit seinem harmonischen Titel. „Du meinst schwul“, lacht Somuncu und setzt damit wieder so ein Signalwort, das im Zusammenhang mit Rapmusik zusammenzucken lässt.

Du meinst schwul

Mit Produzent und Rapper André Fuchs, bekannt als „Onkel Zwieback“, arbeitete Somuncu 2011 bereits an seinem Soloalbum „Dafür kommt man in den Knast“. Die Kooperation mündete schließlich in die gleichberechtigte kreative Zusammenarbeit des neuen Albums, das durchaus witzige Momente hat, Mechanismen im Rap und Soul aufs Korn nimmt, lyrisch aber eine andere Seite Somuncus zeigt: „Ich habe mich niemals verpflichtet, immer rumzuschreien und böse zu sein. Und wenn ich Musik mache, dann ist das eine komplett andere Angelegenheit. Dann mache ich auch die Texte, die zu mir passen.“ Dass er damit eventuell eine andere Klientel vor den Kopf stößt, ist ihm egal: „Die häufigste Frage, die ich als Kritik auf meine erste Singleauskoplung gehört habe war: ‚Bist du jetzt schwul?’ Und dann sage ich: ‚Ja, gerne, wenn das so schlimm ist.’ Der Auslöser war übrigens, dass ich in dem Video geschminkt war!“ Für den Comedian waren diese Reaktionen eher ein Ansporn: „Das ist wie bei Eltern, die dir verbieten, Alkohol zu trinken. Und du denkst, dann nehme ich jetzt mal einen Flachmann mit zur Schule.“

Für sein neues Bühnenprogramm „Sexy Revolution & The Politics“ kehrt Somuncu aber doch noch einmal in die altbekannte Rolle zurück, wenn auch unter anderen Vorzeichen: „Mein Programm ist ja immer eine Fortsetzung des davorlaufenden. Ich bin tot – der ‚Hassias’ ist gestorben und in den Himmel aufgestiegen – kommt aber noch einmal wieder. Es ist sozusagen Pfingsten, ich komme noch einmal als Heiliger Geist zurück, habe aber meine Band dabei.“

So erwartet die Zuschauer neben den gewohnt bissigen Stand-Up-Nummern auch eine musikalische Nummernrevue in Anlehnung an Frank Zappa und James Brown: „Eine Art Gospelveranstaltung, wo der Messias gepriesen wird“, kündigt Somuncu an. Neben André „Zwieback“ Fuchs, der einen Teil der Termine begleiten wird, sollen auch andere musikalische Gäste für frischen Wind bei den „Politics“ – so der Name von Somuncus Begleitband – sorgen.

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