„Searching for the White Cube“ - Neues Ausstellungsprojekt in Bochum

Rottstr5 Kunsthallen Bochum | Foto: Marco Bonk

Seit vergangenem Freitag – und noch bis Ende dieser Woche – ist Bochum Schauplatz des Kunstprojektes "Searching for the White Cube". Ein Auftakt, der bei wachsender Kooperation zwischen den beteiligten Bochumer und Kölner Studenten, zu einer dauerhaften Aktion werden könnte.

Neben den Kunsthallen an der Rottstraße 5 und den Hinterräumen kleinerer Kneipen wie dem R15 oder der Goldkante, sind es vor allem unbenutzte Leerräume oder Industriebrachen, auf denen die Kunst zu sehen ist. Eine Kunst, die sich in Selbstreflexion mit ihren eigenen Präsentationsformen auseinandersetzt und ganz speziell auch mit der Stadt Bochum, die in diesem Fall der Ausstellungsort ist. Insgesamt acht Positionen umfasst das gesamte Projekt. Angeboten werden aber auch Führungen, auf denen man sie allesamt erleben kann.

Warum interessiert junge Künstler (die großen teils aus Köln kommen) ausgerechnet Bochum für so ein Projekt? Und warum präsentieren sie es ausgerechnet in den leeren Ecken der Stadt, wie zum Beispiel der alten Industriebrache am FKT? Auch wählen sie für das Ausstellungsprojekt als Ganzes einen Titel wie „auf der Suche nach dem weißen Würfel“... wo doch die Orte in Ruhrgebietsstädten wie Bochum alle eher schmutziges Industrie-Feeling heraufbeschwören, als den sauberen und sterilen Duft eines Museums mit weißen Decken und Wänden.

Diese lang etablierte Art von „White Cube“- Museen, die mit minimalistischer Architektur und möglichst reinen oder gar komplett weißen Ausstellungsräumen aufwarten, gelten in der Kunstszene seit den 20er Jahren eigentlich als ideale Orte, um Kunst zu präsentieren: Ein quadratischer, ganz weißer Raum lenkt nicht von dem Ausstellungsobjekt an sich ab. Er lässt dem Betrachter eine möglichst objektive Ansicht auf das Kunst-Stück. Erst seit den letzten Jahrzehnten wird diese Theorie hinterfragt.

Genau dies tut auch „Searching for the White Cube“. In diesem Projekt wird nach Alternativen gesucht, die Kunst mit ihrem Ausstellungsort verbinden, oder wo beides gar ineinander übergeht. Auch Bochum als Stadt und seine Kulturpolitik wird hinterfragt, besonders in Anbetracht ihrer industriellen Wurzeln. Ein Beispiel hierfür ist die Auseinandersetzung mit dem sogenannten „Masterplan Innenstadt.“ Die städtische Broschüre mit dem offiziellen Titel „Innenstadt Bochum –Pläne, Projekte, Perspektiven“ wurde 2009 veröffentlicht und sieht als „Diskussionsbeitrag“ zur Stadtplanung, mehrere Umstrukturierungsprojekte in Bochum vor. Heute, vier Jahre nach der Veröffentlichung dieser Broschüre, fragen die Künstler von „Searching for the White Cube“ nach seiner Umsetzung: Inwieweit ist dieser Plan realisiert worden? Hat er die Stadt schon attraktiver gestaltet? Inwiefern prägen ungepflegte Leerräume noch heute das Stadtbild und inwiefern könnte eine Kunst, die sich genau diese Schauplätze zu eigen macht, das Bild verändern? Heraus kommt hier ein vielseitiger Mix aus Kunstformen, von Collagen und Fotoshopping, bis hin zu größeren Installationen und Performances.

Leitender Professor dieses Projektes ist übrigens niemand anderes als Mischa Kuball. Auf der diesjährigen Ruhrtriennale hat er selbst die Lichtinstallation „Agora/Arena“ gestaltet. Jetzt steht er seinen Studenten der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) in beratender Funktion zur Seite.

„Searching for the White Cube“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von -1/MinusEins, das Experimentallabor der KHM in Köln und des C60, Collaboratorium für kulturelle Praxis des Bochumer Hochschulverbands „UniverCity“. Es setzt sich aus einer Ausstellung an 8 verschiedenen Orten in Bochum zusammen und wird durch Performances, Film-Screenings, Führungen und ein Symposium ergänzt.

Das Projekt schließt vorerst am 20.10. mit einer Finissage und anschließender Führung. Je nach Resonanz, Kapazität und Kooperation, darf man jedoch auf weitere Initiativen dieser Art hoffen.