Kleinkunstwochen: Schwerter zu Klugscharen

Echs-Freund: Michael Hatzius

Dass Kleinkunst nicht von kleiner Kunst kommt, beweist mal wieder die Stadt Schwerte: Unter dem Motto „Ohrenschmaus trifft Augenweide“ zeigen die Schwerter Kleinkunstwochen ganz großes Tennis. Der Puppenspieler Michael Hatzius liefert mit seinem schuppigen Kompagnon sozusagen Pointen auf Echs: Schlagfertig, hintersinnig und bissig lässt er sein Zigarre rauchendes Reptil die Welt erklären. Konrad Beikircher, einer der Stammgäste der Reihe, lässt die 50er Jahre auferstehen, seiner Meinung nach „das verkannteste Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts“. Scheinbar verlogene Songs wie „Schön, schön war die Zeit“ oder „Maria aus Bahia“ werden als gnadenlos aufrichtig dargestellt, so aufrichtig wie überhaupt das ganze Jahrzehnt, das es angeblich „nicht besser wusste“. Erstmals zu Gast dagegen der Schauspieler Ulrich Noethen, der mit „Jeder Deiner Briefe ist mir Gold“ ein literarisch-musikalisches Programm zum Wagner-Jahr 2013 beisteuert. Dass Reden Silber und Schreiben Gold ist, beweist das Schweizer Duo Ohne Rolf. Mit abwechselnd präsentierten Plakaten legen die Zwei einen irrwitzigen Dialog vor, der dem Zuschauer ganz ohne Stimme selbige verschlägt.