Junge Wilde: Ray Chen

Wilder Geist: Ray Chen | Foto: Chris Dunlop

Wenn der Promotion-Film für die aktuelle Staffel der „Jungen Wilden“ seinen dramatischen Höhepunkt erreicht, mithin Instrumente brennen, bersten und von den Akteuren zertrümmert werden, dann lässt Jimi Hendrix grüßen und wird – Schockschwerenot! – das „Das Ende der klassischen Klassik“ proklamiert. Das geneigte Publikum möge dennoch Contenance bewahren: Der Punk steppt anderswo, Performances dieser Art wurden bei den Recitals der preisgekrönten Jungstars im Konzerthaus Dortmund bis dato nicht beobachtet. Die sieben Gipfelstürmer holen lediglich die alte Dame namens Klassik von ihrem hohen Ross herunter und zeigen ganz nonchalant ihre wahre Pracht.

Dergestalt läutet der 24-jährige Geiger Ray Chen nun die zweite wilde Runde ein. Gemeinsam mit dem Pianisten Julien Quentin und dem ebenfalls zur Riege der Ungezähmten gehörenden Cellisten Andreas Brantelid tritt er an, Beethovens bekanntem „Geistertrio“ sowie Werken von Mozart, Janáček und Smetana neue Saiten abzugewinnen. Nach Chens bravourösem Einstand in der letzten Spielzeit ist anzunehmen, dass erneut und rein bildlich gesprochen die Fetzen fliegen.