Gudrun Kemsa: Urban Stage

Gudrun Kemsa: Fifth Avenue (aus der Serie „Urban Stage“)

Fifth Avenue in New York, Potsdamer Straße in Berlin – eigentlich ist hier ständig der Teufel los. In Gudrun Kemsas Fotoarbeiten aus der Serie „Urban Stage“ ist an diesen und anderen großstädtischen Schauplätzen zwar einiges in Bewegung, dennoch sind die Bilder von einer eigenartigen Ruhe, wirken zuweilen sogar leicht melancholisch.

Gudrun Kemsas Fotografien liefern keine Milieustudie, folgen keinem erzählerischen Ansatz, sondern fixieren Bewegung im Raum. Aus alltäglichen Straßensituationen in den Metropolen dieser Welt meißelt die aus der Bildhauerei kommende Foto- und Videokünstlerin das für sie Wesentliche heraus und richtet den Blick auf die (relative) Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Bewegungen, auf das jeweils individuelle Raum-Zeit-Gefüge der einzelnen Protagonisten. Um dieses Nebeneinander sichtbar zu machen, entschleunigt sie die hektische Geschäftigkeit der Metropolen, vermeidet „lärmende“ Attribute, eliminiert teilweise Werbeschilder zugunsten leerer Flächen und fokussiert das Verhältnis von Menschen und architektonischen Strukturen.

In den großformatigen, präzise komponierten (Linien, Licht, Schatten, klare Fluchtpunkte) und mitunter wie gemalt wirkenden Panoramaaufnahmen werden die Flaneure, die in manchen Szenerien beinahe skulptural erscheinen, selbst zum raumkonstituierenden Faktor. Auf diese Weise bereichern Kemsas Arbeiten das Genre Straßenfotografie um eine vergleichsweise sterile, zugleich aber hoch ästhetische Variante.

Gudrun Kemsa, Jahrgang 1961, wurde in Datteln geboren, studierte Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei David Rabinowitch und ist seit 2001 Professorin für „Bewegte Bilder und Fotografie“ an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld. Der Kunstverein Duisburg zeigt ab Mitte Oktober eine Auswahl aus ihrer Werkreihe „Urban Stage“ und ergänzt diese durch Videoarbeiten der Künstlerin, die sich ebenfalls mit der Wahrnehmung von Raum und Zeit beschäftigen.

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