„Futur II“ in Moers: Wasser marsch!

| Foto: Jakob Studnar

Was für eine ungewohnte Perspektive im Schlosstheater: Zuschauer mit hochgekrempelten Hosenbeinen stehen wadentief in steigendem Wasser. Das Team um Ulrich Greb meint es mit der Verbildlichung des Klimawandels ernst und flutet einfach den Theaterraum. Wer es nicht rechtzeitig schafft, seinen Stuhl umzustellen, bekommt zwangsläufig nasse Füße.

Das Einpumpen des Wassers wird zur maßgebenden Dramaturgie des Abends. Denn immer wenn die Quelle sprudelt, müssen die Schauspieler verharren, gegen die Fluten anzureden macht wenig Sinn. Viele Textflächen plätschern daher ein wenig ziellos vor sich hin, ab und zu ein knackiger Sprachwitz, dann wieder sprudelnde Fluten, die den Spielrhythmus unterbrechen.

Das Bild des ansteigenden Wasserspiegels dominiert, Schauspieler und Dialoge müssen sich der Naturgewalt unterordnen. Doch diese Regieentscheidung ist konsequent und nachvollziehbar, denn das Stück ist nur ein Statement innerhalb der Themenreihe zum Klimawandel, diverse Lesungen und Ausstellungen in der vergangenen Spielzeit gingen voraus. So bleiben in „Futur II“ die Textfragmente aus Wissenschaft und Philosophie Denkanreize und Spielvorlage für die Figurenfindung. Den Rahmen bildet eine fiktive Talkshow, in der Gutmenschen und Bösewichte aufeinander treffen: Ein Meteorologe, der von klimatischen Veränderungen nichts wissen will, ein Manager, der die Privatisierung des Trinkwassers unterstützt, ein verschrobener Umweltaktivist, der sich mit einer esoterischen Wasserbeschwörerin vereint. Katja Stockhausen versucht als Moderatorin Dorothée Vogel die polarisierenden Machtkämpfe zu steuern.

Mit dem Einbruch des Wassers durch die hintere Wand rutscht die zu Beginn noch recht realistische Szenerie ins Absurde, und am Ende schwimmen neben diversen Turnschuhen und Plastikbechern auch zwei Leichen auf der glitzernden Oberfläche. Ein weiterer Höhepunkt von Grebs Inszenierung: Der zuvor fast autistisch wirkende Umweltkämpfer Carlos (Frank Wickermann) verwandelt sich in einen wahnsinnigen Zombie-Clown und malträtiert den Unternehmer (Patrick Dollas) mit angeblich strahlenverseuchtem Wasser. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen.