Dorian Steinhoff im Interview: „Von Ursachen, Wirkungen und Ereignissen“

| Foto: Marco Piecuch

Ein ernstzunehmender Schriftsteller muss mindestens zwei Wohnorte haben. Diese Voraussetzung erfüllt Dorian Steinhoff schon mal. Neben München lebt er seit 2012 auch in Düsseldorf. Im Oktober erscheint mit „Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“ bereits sein zweiter Band mit Erzählungen. Und Steinhoff ist noch nicht einmal 30! Alexandra Wehrmann hat mit dem Autor gesprochen und wagt schon jetzt die Prognose, dass man von ihm noch viel hören wird. Beziehungsweise lesen.

Der Autor Daniel Kehlmann bekommt von seinen Lesungsbesuchern immer zwei Fragen gestellt: ‚Schreiben Sie vormittags oder nachmittags?’ und „Verwenden Sie beim Schreiben einen Computer?’ Beides möchte ich zum Start gerne auch von dir wissen.

Echt, das fragen die? Wie langweilig! Ich schreibe vormittags, nachmittags und nachts, am Schreibtisch oder im Zug, immer dann, wenn zusammenhängende Zeit zur Verfügung steht. Darum geht es nämlich eigentlich: Wann habe ich heute ungestörte vier bis acht Stunden am Stück, die Tageszeit spielt da keine Rolle. Und, ja, ich schreibe am Laptop.

Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“ ist nach „Goldfische sind auch keine Lösung“ dein zweiter Geschichten-Band. Wie stehst du zu der weit verbreiteten Behauptung, das zweite Buch sei immer das schwerste?

Ich glaube, diese Behauptung gilt vor allem für Autoren, die mit dem direkten Vorgängerbuch sehr erfolgreich waren, an dessen Nachfolger sich also große Erwartungen von Dritten knüpfen. Da spielt es gar keine Rolle, ob es das zweite oder zehnte Buch ist, das man gerade schreibt. Wenn man sich von fremden Erwartungen nicht frei machen kann, wird es schwer. Ich hatte bei der Arbeit an diesem Buch nur den Anspruch an mich selbst, etwas zu schreiben, mit dem ich zufrieden bin und das ich selber gerne lesen würde. Das war auch manchmal schwierig, hatte aber nichts damit zu tun, dass es mein zweites Buch ist.



Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Das ist schwer zu sagen, weil zur Arbeit an einem Buch nicht nur der Schreibprozess gehört. Die meiste Zeit vergeht bei mir immer, während ich mir überlege, wie sich ein Thema, eine Geschichte, die ich im Kopf habe, am besten erzählen lässt und wie ich sie erzählen möchte. Es kann ein Jahr oder länger dauern, bis ich für eine Idee einen literarischen Zugriff gefunden habe. Das Schreiben geht dann immer recht flott. Aber um etwas konkreter zu werden: Der älteste Text im Buch entstand 2010, der jüngste im Mai diesen Jahres. Zwei Drittel des Buches habe ich zwischen Dezember und März 2012/13 geschrieben. Lektoriert haben wir von März bis Ende Juni.

In allen sieben Geschichten spielt der Zufall eine entscheidende Rolle. Glaubst du, der Mensch sei allein Spielball des Schicksals?

Nein, natürlich nicht. Ich persönlich glaube eher, dass es so was wie Zufall überhaupt nicht gibt. Es gibt nur Kausalverkettungen von Ursachen, Wirkungen und Ereignissen. Diese Verkettungen sind allerdings für uns sehr oft undurchschaubar oder nicht zu beeinflussen, deshalb sprechen wir dann von Zufall oder Schicksal.

Der Titel ist ein Zitat aus der Geschichte „Wasser“. Warum wurde gerade das ausgesucht?

Hat am meisten gefetzt! Oder findste nicht? Im Ernst: Flammenschein auf Gesichtern gibt es zu sehr unterschiedlichen Augenblicken, am romantischen Lagerfeuer oder vor der brennenden Ruine des Eigenheims. Wir fanden deshalb, dass dieses Zitat gut die Ambivalenz und Vielschichtigkeit der Figuren und der Stimmung im Buch wiedergibt.

Hast du das selber aussuchen dürfen – oder war hier der Verlag am Ruder?

Das war ein gemeinsamer Prozess, wir haben uns ganz viele Titelvorschläge hin und her geschickt und am Ende konnten wir uns alle am meisten für den Vorschlag von meinem Verleger Daniel Beskos „Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“ begeistern.

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