Urbanatix - Close Up

„Ich kann damit Wirklichkeiten verändern“

Zurück zu den Wurzeln

Hoch oben unter dem Dach der Jahrhunderthalle steht urbanatix-Regisseur und Initiator Christian Eggert und blickt im Interview über das Metallgeländer auf die noch nackte Innenfassade: „In meinen Gedanken steht die Show bereits.“

Lang ist es nicht mehr hin, wenn vom 9. bis 19. November die dritte Staffel der Street-Art-Performance unter dem Programmtitel „URBANATIX CloseUp!“ durch den Raum springt, fliegt und tanzt. An Eggerts Seite Mitveranstalter und Jahrhunderthalle-Geschäftsführer Andreas Kuchajda, der für das gesamte Projekt eine klare Linie verfolgt: „In der Regel fragen wir uns nicht, ob etwas möglich ist, sondern direkt, wie wir es möglich machen.“

Musste reichlich Überzeugungsarbeit geleistet werden, um mit urbanatix in der Jahrhunderthalle aufzutreten?

Eggert: Ich hatte zunächst ein Gespräch mit dem Kulturdezernenten Michael Townsend, der nach zweieinhalb Stunden von der Idee begeistert war. Das war damals schwierig, weil es weder Fotos noch Videos gab und wir das Projekt nur verbal kommunizieren konnten. Dennoch ging es auch bei Andreas Kuchajda sehr schnell, ihn zu überzeugen, denn die Menschen, denen ich davon erzählt habe, konnten sich die Bilder vorstellen, die ich im Kopf hatte.

Wie passt die Show in das Jahresportfolio der Halle?

Kuchajda: Sehr gut. Wie Christian bereits sagte, haben sich schon beim ersten Gespräch direkt die Bilder geformt. Wir waren innerhalb von Minuten in der Umsetzungsphase: Wie bekommt man es operativ hin? In welchem Zeitraum? Wie wird es finanziert? Das heißt, ob man es macht, stellte sich nach kurzer Zeit schon gar nicht mehr. Wir kamen direkt zum „Wie?“ und begannen, das Thema gemeinsam zu entwickeln.

Das neue Programm heißt „CloseUp“ – Wie nah kommt der Zuschauer den Akteuren auf der Bühne?

Eggert: Zunächst einmal ist „CloseUp“ die ganz einfache Klammer, um den Zuschauern zu sagen: Geht weg von eurem Fernseher, kommt ganz nah ran an die Artisten. Wir wollen mit einer Videoprojektion arbeiten, die die Zuschauer reinsaugt wie in einen Kinofilm.

Ihr greift dafür auf Video-Mapping-Technologie zurück.

Eggert: Das ist eine 3D-Mapping-Technologie, mit der man Bühnenbildstrukturen dreidimensional bespielen kann. Wenn man sich zum Beispiel einen Würfel vorstellt, kann man alle Seiten des Würfels mit einem Videobild bespielen. Das hat eine sehr große Tiefenwirkung. Ich kann damit Wirklichkeiten verändern.

Steckt mehr Routine oder mehr Spontaneität in der aktuellen Produktion?

Kuchajda: Spontaneität ist eigentlich das Alltagsgeschäft, weil sich das Projekt in einem ständigen Kreativ- und Optimierungsprozess befindet. Selbst die einzelnen Aufführungen werden immer wieder mit neuen Ideen verfeinert. Alle Beteiligten sind veränderungsbereit, sie wollen Themen nach vorne schieben.

Eggert: Wir müssen allerdings in der Planung sehr genau sein, weil wir nicht vier Wochen am Spielort proben können. Bei uns muss die Show praktisch fertig auf dem Papier und auf dem Computer vorinstalliert sein, weil wir nur drei Probentage vor Ort haben. Da kommt uns die Jahrhunderthalle sehr entgegen, weil wir in allen Hallenbereichen parallel proben.

Wo liegt der Reiz für die internationalen Artisten, Teil von urbanatix zu werden?

Eggert: Für Künstler wie etwa Hugo Noel oder dem Duo Tr´espace ist es etwas ganz besonderes, wenn sie nicht in einem Theater spielen, wo es nebenbei zu essen gibt, wie etwa im Variete, und man als Zuschauer immer wieder abgelenkt wird. Wenn die Artisten hier sind und auf unsere jungen Streetartisten treffen, kommen sie zurück zu ihren Wurzeln.

Kann sich die Jahrhunderthalle das Projekt urbanatix langfristig vor Ort vorstellen?

Kuchajda: Das ist zeitlich nicht befristet. Ganz im Gegenteil. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir für urbanatix lange Heimstadt und Kreativzentrum sein können. Wir sind der Überzeugung, dass das Projekt nicht aufhören wird, sich weiterzuentwickeln. Ich habe noch nie eine Show gesehen, wo man pubertierende Jugendliche mit ihren Eltern in eine Show bekommt, ohne dass die Jugend anfängt zu nölen.

Die Zusammenarbeit soll in Zukunft sogar noch weiter ausgebaut werden.

Eggert: Wir würden wahnsinnig gerne mit einer Artistenschule auf dieses Gelände. Damit es zu einem Ausbildungsort und Zentrum wird, wo Kreativität entwickelt werden kann. Eine Stadt muss über genügend Ausbildungsstätten verfügen, damit sie aus ihrer eigenen Kraft heraus Künstler hervorbringt. Es ist ein Problem im Ruhrgebiet, dass wir hier zu wenig Talentschmieden haben. Und wenn es sie gibt, dann schaffen sie es nicht, die fertigen Künstler hier zu halten.

urbanatix.de

 

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