Internationale Spieletage

Wolfgang Kramer: Gut allein reicht nicht

Erspieltes Lebenswerk

Auf Achse, 6 nimmt, Heimlich und Co. – Wolfgang Kramers Spiele sind in fast jeder Spielesammlung zu finden. Über 200 Titel hat der schwäbische Erfinder entwickelt. Dieses Jahr erhält er dafür vom Friedhelm-Merz-Verlag den Preis für sein Lebenswerk. Verliehen wird der Preis auf den Internationalen Spieletagen – kurz SPIEL.

Mit jährlich rund 150 000 Besuchern ist die SPIEL die größte Messe weltweit für Gesellschaftsspiele. Dieses Jahr findet sie vom 18. bis 21. Oktober wie immer in den Essener Messehallen statt. Anlass genug für Fabian Mauruschat, um vorab mit Preisträger Wolfgang Kramer über Spielen, Erfinden und konkurrierende Freizeitangebote zu sprechen.

Nach fast 40 Jahren als Spieleerfinder bekommen Sie den Preis für ihr Lebenswerk. Wie fühlt sich das an? 

Ich hab’ mich sehr gefreut, meine Frau übrigens auch, und das ist eine große Ehre. Ich habe nur gute Gefühle, bis auf ein ganz kleines weinendes Auge: Wenn man so einen Preis kriegt, ist man meistens schon alt.

Sie haben insgesamt über 200 Spiele entwickelt. Gehen einem da irgendwann die Ideen aus?

Ich höre nicht auf, Spiele zu erfinden. Ich bin nach wie vor sehr aktiv und will das so lange beibehalten, so lange ich geistig und körperlich dazu in der Lage bin.

Was macht für Sie persönlich ein gutes Spiel aus?

Der Spielreiz. Das Verlangen, das Spiel nach dem ersten Durchgang wieder spielen zu wollen. Je höher der Spielreiz ist, desto besser ist das Spiel.

Manche Leute müssen ein Spiel so lange spielen, bis sie es selbst gewonnen haben …

Das ist nicht so schwierig bei Glücksspielen, anders als bei Taktikspielen mit gewieften Mitspielern. Früher habe ich mit jemandem Schach gespielt, der mir Schach auch beigebracht hat, da habe ich immer verloren. Das hat Jahrzehnte gedauert, bis ich die Sache umdrehen konnte.

Warum sind manche Brettspiele wie Schach seit Hunderten von Jahren erfolgreich?

Die klassischen Spiele haben es leichter, weil sie einfach bekannt sind. Wer in den Laden geht, sieht das große Angebot an neuen Spielen, findet sich nicht zurecht und kauft dann doch Sagaland oder Malefiz oder Memory. Da wissen wir, was wir haben, bei anderen Spielen müssen wir uns reinarbeiten. Das ist das große Problem der Spiele: Erst muss man die Spielregel lernen. Allerdings hat das neue Spiel den Reiz, dass man etwas Neues kennenlernt. Nur muss man bereit sein, diese hohe Hürde des Lernens zu überwinden.

Früher fand sich in den meisten Wohnzimmern gerade einmal die übliche Spielesammlung mit Mensch ärgere Dich nicht und Halma. Mittlerweile gibt es fast 1 000 Neuerscheinungen im Jahr. Wird der Trend zu so viel Spielen anhalten?

Das hängt von den Verlagen ab. Ob sie bereit sind, so viele Spiele zu machen wie bisher – das kostet ja auch Geld. Wir haben zurzeit viele neue kleine Verlage, auch aus dem Ausland. Wie die wirtschaftlich stehen, und ob die durchhalten, das ist schwer zu beurteilen. 500 Spiele pro Jahr würden sicherlich auch reichen. 

In den Spielzeugläden gibt es schon fast ein Überangebot. Wie erkennen die Käufer denn ein gutes Spiel?

Vielspieler kriegen das so raus. Gelegenheitsspieler können ein Spiel auf einer Spielemesse kennenlernen. Manche Spielefachgeschäfte bieten ein-, zweimal im Jahr einen Spielabend an. Die Frage ist nur, ob auch die Leute kommen, die sich nicht so sehr für das Spiel interessieren wie der Vielspieler. Spiele müssen nicht nur mit Computerspielen konkurrieren sondern mit allen Freizeitangeboten. Snowboarden, Inlineskaten, Kino, Partys …

Was macht für Sie den Unterschied zwischen Computer- und Brettspielen aus?

Am Spielbrett sitzen die Menschen beieinander. Am Computer spielt man in der Regel allein, vielleicht mit einem Gegner, der irgendwo weit weg sitzt. Aber ich kann dem nicht in die Augen sehen, wenn ich einen guten Zug gemacht habe. Das Haptische spielt auch eine Rolle. Beim Kartenspielen lege ich eine gute Karte nicht einfach so hin, da hole ich groß aus und knalle sie auf den Tisch. Da sind einfach viel mehr Emotionen drin.

Haben Sie zum Abschluss einen Rat für einen Nachwuchs-Spieleerfinder? 

Er soll auf jeden Fall ein originelles Spiel machen, ein Spiel mit ganz neuen Elementen. Er soll viel Zeit auch für das Thema verwenden und die Stimmigkeit. Und er soll sehr, sehr viel testen. Wenn er das Gefühl hat, das Spiel ist richtig gut, dann soll er es noch verbessern. Gut allein reicht nicht mehr, ein Spiel muss schon hervorragend sein.

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