hpss: „Die Weltmenschen erobern die Welt“

| Foto: Krischan Ahlborn

Das Uncut-Interview

„Geh auf die Straße und verändere die Welt. Überzeuge täglich eine Person von deiner Theorie und jeder Überzeugte macht es dann genauso und überzeugt ebenfalls täglich eine weitere Person. Dann braucht es lediglich 33 Tage, bis die Welt komplett mit der Theorie infiziert ist.“ Und: „Zuerst geht es nur um die Freiheit, doch schon kurze Zeit später geht es um die Wurst!“ So wird der Bühnencomic Die Weltmenschen erobern die Welt angekündigt. Die jüngste Produktion des Düsseldorfer Duos half past selber schuld hat Ende Oktober in den FFT Kammerspielen Premiere. Regina Matthes sprach mit Sir ladybug beetle, einer Hälfte von half past selber schuld, während der Vorbereitungen zur Premiere. 

Am 24.10. feiert ihr Premiere mit dem neuen Stück Die Weltmenschen erobern die Welt. Eure wievielte Produktion ist das?

Das ist unsere achte Bühnencomic-Produktion – zwei Produktionen für Kinder inklusive –, wenn man die Musikshows nicht mitzählt.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Sie laufen auf Hochtouren und werden erfahrungsgemäß bis zur Premiere immer intensiver werden. An allem – Text, Musik, Bühnenbild, Licht, Choreographie, Puppen-, Schatten-, Schau- und Requisitenspiel – wird bei uns bis zum Schluss gearbeitet.

Wie kann sich der Laie diesen Produktionsprozess von Buch, Musik, Regie und Film vorstellen? Ist das Stress oder purer Spaß oder beides?

Es ist purer Stress und großer Spaß. Wir lachen viel und schlafen wenig, schreiben, komponieren, musizieren, bauen und probieren aus. Es gibt im Schaffensprozess stets Umstände, die ein Umdenken erfordern. Damit etwas gut funktioniert, muss es manchmal eben vorher auch ein paar Mal nicht klappen. Das kann zwar frustrierend sein, wird aber auch immer mit Zufriedenheit belohnt, sobald man erahnt, dass ein Text, ein Lied, ein Requisit oder eine Szene besonders gut werden.

Wie lange dauert so eine Entwicklung bis zur Premiere ungefähr? Sicher mehr als 33 Tage?

Ja, generell wäre mindestens ein halbes Jahr Produktionszeit erstrebenswert, allerdings verkürzt sich die tatsächliche Produktionszeit meist, weil sich Termine verschieben. Die  Finanzierung muss ja vor dem Startschuss komplett geklärt sein, und der eine oder andere Förderbeschluss wird öfter mal verschoben, da wird’s manchmal eng. Auch in 33 Tagen ließe sich viel reißen, aber schöner ist es und wird es, wenn man sich Zeit für Experimentieren und Planung nehmen kann.

Kann man schon ein Zitat einer Songzeile verraten? Oder eine der in eurer Vorankündigung angedrohten „Holzhammermetaphern“?

Das kann ich zwar tun, aber nicht versprechen, dass dies dann auch wirklich im Stück sein wird. Wie gesagt, es bleibt bis zum Schluss alles hochflexibel. Aber ich kann hier sagen, dass die Zeile „Mit Steinen im Gepäck ist es leicht, sich zu beschweren!“ mit großer Wahrscheinlichkeit in unsere Überlegungen mit einfließen wird. Die Holzhammermetaphern werden weiterhin angedroht.

Wie definiert ihr Weltmenschen? Es gibt da ja „gute“ und „böse“ Interpretationen, z. B. durch die Zeugen Jehovas.

Das Wort ist gerade auch deshalb gewählt, weil es noch unbesetzt ist, also jeder selbst entscheiden kann, ob sich „Weltmenschen“ eher gut oder schlecht anhört. Für mich sind Weltmenschen erst einmal neutral.

Was inspirierte euch zu diesem Stoff?

Der schier unüberwindliche innere Schweinehund des Menschen sollte von uns eine bunte Hommage bekommen, weil er ja sehr oft als Gewinner hervorgeht. Dann wurde er uns aber immer suspekter und auch unsympathischer. Schließlich feuerten wir ihn sogar und beschlossen, dass lieber mal die andere Seite gewinnen sollte, in diesem Fall sind das die Weltmenschen.

Um welche „Wurst“ wird es letztendlich gehen?

Das wird eine jener Holzhammermetaphern in der Show klären. Bis dahin bleibt da leider nur Bestechung der Künstler – schon ab 5 Euro! – oder raten übrig. Die Wurst steht für a) Demokratie b) Kapitalismus oder c) Wurst.

„Geh auf die Straße, und überzeuge täglich eine Person von deiner Theorie  …33 Tage, um die Welt zu ändern?“ Stimmt das Rechenexempel wirklich?

Ja. 2 hoch 33 ergibt 8.589.934.592, was mehr ist als die derzeitige menschliche Weltbevölkerung. Um den Ampelpolizisten, ein Protagonist des Stückes, zu zitieren: „Die Rechnung ist mathematisch einwandfrei. Die Logik ist unwiderstehlich.“

Wenn sich das Publikum das zu Herzen nimmt, über welche derart multiplizierte Theorie würdet ihr euch am meisten freuen? Und am meisten erschrecken?

Ob solch eine Multiplikation überhaupt erstrebenswert wäre, müsste erst noch geklärt werden. Denn wenn alle das Gleiche plappern, führt das nicht unbedingt zu einer guten Kommunikation und auch nicht notwendigerweise zu einem positiven Ergebnis. Freuen würden wir uns aber über eine vermehrte Präsenz der Klassiker Frieden und Freiheit. Aber auch Selbstbestimmung, Toleranz, und Unabhängigkeit haben einen Klang, den man gerne hört. Ich denke, die Theorien, die uns erschrecken, lassen sich dadurch gut herleiten.

Ihr werdet in der Spielzeit 2012/2013 und 2014/2015 mit einer Spitzenförderung des Landes NRW unterstützt. Glückwunsch! Wie habt ihr die Entscheidung gefeiert? Gibt es schon Pläne dazu? Wird es eure Arbeit verändern?

Danke. Gefeiert haben wir sehr ausgelassen, mit Tee und Zwieback, oder war es Schnaps und Tabak? Ich weiß es nicht mehr. Die Spitzenförderung des Landes NRW wird uns ganz sicher eine bessere Planungssicherheit verschaffen, sodass zukünftige Produktionen bestimmt eine solidere finanzielle Grundlage haben werden. Außerdem werden wir uns auf spielerischer und organisatorischer Ebene verstärken können und mehr Zeit für das Ausprobieren neuer Baumethoden und Materialien aufbringen. Jippie!


half past selber schuld - Körperpflege