Burkhard Schittny und Christof Plümacher

Aus der Serie „Cognoscere“ von Christof Plümacher

Im Ungefähren

Jene, die eine humanistische Bildung genossen haben, sind zunächst klar im Vorteil. Die anderen bemühen lateinwiki und kommen auch zur Erkenntnis: „Cognoscere“ bedeutet übersetzt so viel wie „erfahren, erkennen“. Der Fotograf Christof Plümacher hat eine Serie seiner Arbeiten mit dem Verb überschrieben. Die Werke, die jeder Schärfe entbehren, sind derzeit gemeinsam mit Fotografien von Burkhard Schittny in der Düsseldorfer so what gallery zu sehen.

 

Inspirieren lassen hat sich Plümacher, wie es Kreative gerne tun, von einem wissenschaftlichen Text: „Einführung in die Psychologie des Menschen“. In dem 1964 erschienenen Buch wurde der Vorgang des Erkennens beim Menschen mit der Erzeugung eines Modells der Umwelt aus einem Sinneseindruck beschrieben, meist durch einen Vergleich mit einem zuvor erlernten Muster. Für den Fotokünstler war das der Anstoß, seine Motive – darunter Architektur, Produkte und Designs – anders als gewohnt aufzunehmen. Undeutlich, unklar. Die Ergebnisse wirken wie Eindrücke eines extrem Kurzsichtigen – Farbfelder, die ineinander übergehen, ohne klare Linien. Nicht einzuordnen für jene, denen die Erfahrung und Erinnerung fehlt. Alle anderen erkennen Zug, Atomium oder den Frachter auf der Elbe auch so. Eine Erkenntnis im Unerkennbaren sozusagen.

Letzteres gilt auch für die Arbeiten von Burkhard Schittny, die zunächst mit der Videokamera aufgenommen werden. Gerne arbeitet der Künstler dabei mit Verwacklern, die neue Linien entstehen lassen, Erschütterungen, die sich im Bild spiegeln. Einzelne Filmstills überführt er in der Folge in das Medium der Fotografie und fasst sie nach Entstehungsorten zu Werkgruppen zusammen. Hierbei nutzt Schittny die Codes der internationalen Luftfahrt, überschreibt die in Bremen entstandenen Arbeiten mit „Untitled BRE“, die in New York aufgenommenen mit „Untitled JFK“. Obwohl beide Künstler klare Linien umgehen, so Rainer Kunst von der so what gallery, „wird schnell klar, wie unterschiedlich die Fotografen mit dem Medium umgehen. Die Arbeiten ergänzen sich hervorragend.“