Sympathisch, wild, unvergessen: Underground Köln

Das Underground Köln | Foto: Underground Cologne

Schürfwunden, gerissene Strumpfhosen, Bierflecken und dabei immer grandiose Abende: Das Underground ist seit fast drei Jahrzehnten eine feste Größe in den Straßen Ehrenfelds. Wer ordentlich ausrasten und abzappeln will, findet auf der Vogelsanger Straße 200 stets tanzbare Musik und ausgelassene Stimmung vor. Doch schon in der nächsten Woche sollen sich die Tore schließen. Für die Rettung des Undergrounds haben Betreiber, Freunde und Fans alles gegeben und bis Dienstag fleißig die Online-Petition unterzeichnet.

Kaum ein Kölner Etablissement hat so viel rockgeschichtlich Wertvolles miterlebt wie das Underground. 1988 gegründet, entwickelte es sich langsam aber sicher von einer einfachen Autowerkstatt mit Kneipe zum Place To Be für die Wilden der Stadt. Nachdem der Außenbereich zum Biergarten ausgebaut und die Location Schauplatz erster Konzerte wurde, boten sich mehr und mehr Möglichkeiten der Bespielung. 2004 folgte die Übernahme durch die Underground GmbH und die Anzahl der stattfindenden Events wurde deutlich gesteigert.

Letzter Club ohne Eintritt

Seit den unschuldigen Anfangstagen ist das Urgestein stetig gewachsen und hat jetzt rund 10.000 Veranstaltungen auf dem Buckel. Neben Rockern und Punkern, wird auch HipHop-, Alternative- und Mainstream-Fans ein spannendes Programm geboten. Inhaber Georg Schmitz-Behrenz merkt an: „Das Underground ist der letzte Club in Köln ohne Eintritt.“

Ergänzt wird das Angebot aus regelmäßig stattfindenden Parties durch eine Vielzahl von Konzerten: Große Namen wie die Beatsteaks, Green Day, Kraftklub oder Blink 182 lieferten im Underground vor vergleichsweise kleinem Publikum ihre ersten Live-Auftritte ab. Aber auch lokale Künstler verschiedener Genres durften auf der Bühne schon ordentlich die Sau rauslassen. Für die auftretenden Acts ist das Underground dabei mehr als nur eine Konzertlocation, denn das Obergeschoss bot bereits vielen Musikern ein gemütliches Wohnzimmer inklusive Schlafgemach zum gepflegten Entspannen nach der Performance.

Familiäre Atmosphäre

Bis heute schwärmen Bands und Publikum von der einzigartig familiären Atmosphäre. „Es ist ein Ort, wo sich jeder entfalten kann und der von den Leuten, seien es Gäste oder Künstler, lebt. Es ist ein kleiner Raum für junge Menschen oder auch Ältere, welcher sehr eigen ist“, so Schmitz-Behrenz.

Leider kamen in den letzten Jahren mehr und mehr Probleme auf die Location zu. „Es gibt immer neue Auflagen und die Schraube wird enger gedreht. Man sollte sich mal lieber an einen Tisch setzten und zusammen konstruktiv arbeiten.“, schlägt der Inhaber vor. Nachdem die legendären Hallen in der Vergangenheit schon einem Einkaufscenter weichen sollten, was glücklicherweise verhindert werden konnte, folgt am 15. September diesen Jahres das endgültige Aus. Dann wird das Helios-Gelände dem Eigentümer zum Abriss übergeben. 2018 soll dort eine Schule errichtet werden.

Ein letztes großes Beben

Alle, die das Underground bereits kennen- und lieben gelernt haben, sowie alte Bekannte und auch Frischlinge sind deshalb herzlich eingeladen und aufgerufen, beim vielleicht letzten großen Beben dabei zu sein. Am 9. und 10. September kann man beim Heliosfest noch mal auf das Underground anstoßen und sich an die vielen großartigen Momente erinnern. Bis ganz zum Schluss wird die Halle noch mit Konzerten von u.A. Dog Eat Dog und Joey Cape beschallt. Für ein würdiges Ende eben. Im Januar 2018 hätte das Underground seinen 30. Geburtstag gefeiert.                                                                               

Um die Schließung doch noch zu verhindern, haben 19.863 treue Fans ihre virtuelle Unterschrift abgegeben. Doch wie es jetzt weitergeht, steht noch in den Kölschen Sternen. Die Inhaber hoffen, dass sich in Zukunft eine Ausweichmöglichkeit anbietet und das subkulturelle Herzstück Kölns auf einem anderen Gelände weiterleben kann. Schmitz-Behrenz: „Wir haben Ehrenfeld mit dazu gemacht, was es jetzt ist.“  Isabelle Dannert