Rita McBride: Ausstellung „Explorer“ in Brüssel

Mini-Lüftung: "The White Elephant" | Foto: Nadine Beneke

Rita McBride stellt seit September zum ersten Mal überhaupt solo in Brüssel aus. Außerdem bespielt sie gleich das komplette WIELS Museum. Grund genug, sich auf die Reise zu begeben und sich die Ausstellung "Explorer" vor Ort anzusehen. 

Los geht es um 8.17 Uhr, Gleis 16. Auf nach Brüssel. Ziel: das WIELS Museum. Nach knapp zweieinhalb Stunden Fahrt mit dem Thalys geht es von Bruxelles Midi aus – innerhalb von zwanzig Minuten – zu Fuß zur Pressekonferenz mit Rita McBride und den Verantwortlichen der aktuellen Ausstellung der Künstlerin. Das WIELS ist ein Hingucker. Schon von der äußeren Glasfront erkennbar sind die Überreste der einstigen Brauerei, die seit 2007 ein Museum ist. Die riesigen Braubehälter schimmern kupferfarben, die Wände sind hell und hoch. Eine Mischung aus riesigem Bad, Loft und Brauerei. Imposant! Die Pressekonferenz beginnt- auf Englisch, Französisch und Flämisch. Erstaunlich gut verständlich fallen Wörter wie „white-cubisé“ für den traditionell weiß gestrichenen Ausstellungsraum und „paradigmatique“ für Rita McBrides Kunst. Diese wird das erste Mal solo in Brüssel ausgestellt. Außerdem stellt das erste Mal in zehn Jahren ein Künstler im kompletten Gebäude, also auf drei Etagen aus. 

„Never demand that it goes in one direction"

Street Art am WIELS Museum
Foto: Nadine Beneke

McBride selbst beschreibt beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung ihre Kunst. Unterm Strich bringt sie ihre Werke, die hier unter dem Titel „Explorer“ firmieren, mit folgenden Worten auf einen Nenner: „Never demand that it goes in one direction. That keeps everything fresh.“ Diese Frische, das Offene sieht man dem Werk der immer neugierigen Künstlerin an. Mit großem Witz verbindet sie „Guide Rails“ – weiß gestrichene Wegweiser, die an Gatter erinnern – in einer Installation über alle drei Etagen mit ihren Skulpturen. Die Guide Rails stehen immer anders. Mal zeigen sie die richtige Richtung an, mal sind sie in die Ecke gestellt. Immer bewegen sie den Zuschauer unbewusst in eine Richtung. McBride, die zwischen Düsseldorf und Los Angeles pendelt, versetzt Alltagsgegenstände ins Museum, deutet sie um. Zum Beispiel Lüftungsschächte, oder Tiefgaragen. Selbige sind unter dem Titel „Parking Garages“ einfach eingeschrumpft. Faszinierend sei dabei vor allem, das System der Abstellanlagen. So viele Autos wie möglich hineinzubekommen, um möglichst viel Geld herauszubekommen. „Super-powerful structures“, findet die Künstlerin. Stundenlang könnte man ihr zuhören, wie sie erzählt, über das Neukontextualisieren, über Transformationen. Gerade das Verschieben der Dimensionen bereitet Schmunzler. Der „White Elephant“-Raum, der mehrere Ausführungen des gleichnamigen Kunstwerks beherbergt, zeigt die Bandbreite und das feine Auge der Düsseldorfer Akademie-Rektorin a.D. Einmal riesig und kaum zu umgehen, lugt die Anlehnung an die kastenförmige Kupferskulptur ein paar Schritte weiter schon viel weniger riesig um die Ecke. Und erntet genau die Aufmerksamkeit, die die Künstlerin für die abstrahierten, eleganten Entlüfter einfordert. Damit bezieht sie sich auf die „Galerie des Machines“ bei der Weltausstellung von 1889 in Paris, die die Crux des Menschen und seines Verhältnisses zur Technologie aufzeigte, irgendwo zwischen Bewunderung und Skepsis. Ein Raum ist außerdem von der Düsseldorfer Künstlergruppe Extension gestaltet. Dieser wird, anhand von Karten mit Anweisungen, jeden Tag neu gestaltet, um alle Möglichkeiten voll auszukosten. Interessant: Hier finden sich tatsächlich die aufeinander gesteckten Einzelteil-Überreste der Außenfassade des ehemaligen Düsseldorfer Horten wieder. Und warum die täglichen Neu-Kombinationen? Für McBride eine klare Sache: "The most exciting thing about the exhibition is building it up." Gelohnt hat sich die Aufregung – und die Reise – auf jeden Fall. Nadine Beneke

Rita Mc Bride „Explorer“: bis 7.1.18 WIELS, Brüssel

Rahmenprogramm „something stronger than me“ an verschiedenen Terminen. Mehr Infos unter: wiels.org