Romy Schmidt und das PRT: Mediationsangebot im Theaterstreit

Romy Schmidt vor drei Jahren. Ein Jahr hat sie noch am PRT. | Foto: Sandra Schuck

Die Nicht-Verlängerung des Vertrags von Romy Schmidt am Prinzregenttheater hat sich in Bochum zu einem handfesten Theaterskandal entwickelt. Vorläufiger Höhepunkt ist die Einschaltung des Oberbürgermeisters Thomas Eiskirch, nach der ein Schlichtungstermin mit einem Mediator vereinbart wurde.

Nachdem Romy Schmidt auf der Vorstellung ihrer dritten Spielzeit am Prinzregenttheater verkündet hatte, dass der Trägerverein ihren Vertrag nach Ablauf des Jahres nicht verlängern werde, war darüber ein Streit in der Stadt entbrannt. Die Gemüter erregt vor allem die Tatsache, dass Schmidts Vorgängerin Sibylle Broll-Pape, mittlerweile Intendantin in Bamberg, weiter als Vorstand im Trägerverein sitzt und ihre Nachfolgerin quasi entlassen hat.

 „Professionellen Spielregeln“ verletzt

Der Intendant des Schauspielhauses Bochum Olaf Kröck sieht dadurch die „professionellen Spielregeln“ des Theaterbetriebs verletzt. Autor Frank Goosen, der den Trägerverein des Prinzregenttheaters vergangenes Jahr verlassen hat, sagt: „Man kann sehr kritisch sehen, dass der Trägerverein ausschließlich aus engen persönlichen Freunden von Sibylle Broll-Pape besteht.“

Nach einigen Tagen meldete sich auch Sibylle Broll-Pape selbst zu Wort: „Es stimmt nicht, dass wir Romy Schmidt einfach nicht verlängert hätten.“ Es habe eine mündliche Vereinbarung darüber gegeben, dass der Verein über einen neuen, sogar besser dotierten Vertrag nachdenke, der die Art, miteinander zu kommunizieren, neu regele. Die Kommunikationsprobleme rührten laut Broll-Pape vor allem daher, dass Romy Schmidt dem Verein immer wieder Misstrauen entgegengebracht habe. Dabei schätze man ihre künstlerische Arbeit.

Gegendarstellung

Romy Schmidt erklärte in einer Gegendarstellung, dass ihr ein neuer Vertrag nur mündlich „auf der Straße“ in Aussicht gestellt worden sei und „ein ‚Wohlverhalten‘ meinerseits im Hinblick auf meine Zusammenarbeit unter anderem mit Behörden beinhaltete.“ In Form und Inhalt stellte das Gesagte in ihren Augen kein ernsthaftes Angebot dar.

Damit spielte sie indirekt auf die Prüfung des Landesrechnungshofs an, die Unregelmäßigkeiten in der Ära Sibylle Broll-Papes festgestellt hatte. Mittlerweile ist bekannt, dass Sibylle Broll-Pape kein Geld veruntreut, aber unrechtmäßig Rücklagen gebildet hatte, um nach eigener Aussage „auch in Zeiten der Haushaltssperren immer meine Mitarbeiter bezahlen zu können“.

Kritik von Oberbürgermeister

Nachdem auch Oberbürgermeister Thomas Eiskirch die Tatsache kritisierte, dass Sibylle Broll-Pape nach ihrem Weggang nach Bamberg weiter als Vorstand des Trägervereins fungiert, und eine Beschäftigung mit dem Fall angekündigte, gibt es nun ein neues Mediationsangebot: Peter Landmann, ehemaliger Leiter der Kulturabteilung im NRW-Ministerium steht bereit und Gespräche sind bereits vereinbart. Stadtsprecher Thomas Sprenger sagt: „Die Hoffnung besteht, durch die Moderation eine konstruktive Klärung herbeizuführen.“

Geht es nach einem breiten Bündnis aus freien Kulturschaffenden in der Stadt und bisher rund 700 Unterzeichnern einer Petition bei change.org, kann es nur eine Lösung geben: Romy Schmidt soll Leiterin des PRT bleiben. Ein gutes Signal wäre außerdem, wenn mindestens ein Vertreter der Öffentlichkeit in den Trägerverein eintreten würde. Max Florian Kühlem

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