Man muss bei sich selber anfangen: Oliver Polak im Interview

Oliver Polak | Foto: David Prior for Moshe

Mit seinem dritten großen Bühnenprogramm „Über alles“ ist der Stand Up Comedian Oliver Polak wieder auf Tour und wird auf den Bühnen zwischen Wien und Hamburg für allerlei Verwirrung sorgen. Sein derber und oft zynisch gefärbter Humor ist bei diesem Programm dem Titel entsprechend sehr weit gefasst. Peter Hesse sprach mit ihm über kleine schwarzhumorige Stücke, die vom Schwimmen mit Haien, dem Schnarchen im Allgemeinen oder einer fiktiven Anne-Frank-App handeln.

Oliver, du bist in den vielfältigsten Feldern aktiv und schreibst Bücher, bist Autor für Zeitungen, machst Fernsehen und bist Stand Up-Comedian. Gibt es einen künstlerischen Bereich, den du gerne mal ausprobieren möchtest?

Ich bin im Moment sehr glücklich, so wie das gerade alles läuft. Im Kern bin ich halt Stand Up-Comedian, habe aber auch festgestellt, dass das für mich nicht reicht. Wenn du richtig erfolgreich sein willst, dann musst du gefällig sein – und das bin ich halt nicht. Es findet doch noch sehr in einer Nische statt, was ich bei meinen Live-Performances so mache. Es hat sich dann ergeben, dass ich an andere Sachen herangeführt wurde – denn nur mit den Stand Up-Comedian-Auftritten hätte ich mich nicht über Wasser halten können.

Wie ging es für dich dann weiter?

Ich habe dann viel mehr das Schreiben entdeckt, ich schreibe viel für die Tageszeitungen „Die Welt“ und die „Süddeutsche Zeitung“, habe Kritiken zum Beispiel von einem Phil-Collins-Konzert verfasst. Dann kamen TV-Formate wie „Das Lachen der Anderen“ mit Micky Beisenherz dazu, was eine richtige Herausforderung war.

Das kann man sich sehr gut vorstellen...

Ja, zudem gab es noch die Pro7-Sendung „Applaus und raus“, das fügte sich alles sehr gut zusammen. Ich war dann schlussendlich auch ziemlich überrascht, denn es waren meine ersten beiden wirklichen Fernsehsendungen, die gleich mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme Preis ausgezeichnet wurden. Es macht schon Spaß alles, ist zum Teil aber auch sehr nervenaufreibend. Aber vom Prinzip her, kann ich auch nur etwas machen, was mich auch wirklich interessiert.

Die Provokation ist ein beliebtes Stilmittel von dir. Hast du mal ein Feedback von dem Juristen und TV-Moderator Michel Friedman erhalten, den du in der Vergangenheit ziemlich deutlich durch den Kakao gezogen hast?

Friedman hat sich wie ich auch sehr für die Freilassung vom Journalisten Deniz Yükzel eingesetzt, der ja nun seit vielen Wochen in der Türkei im Gefängnis sitzt. Wir haben uns bei einer Veranstaltung gesehen und Friedman hat mich dort nicht gegrüßt. Daher nehme ich an, dass er mich schon irgendwie auf dem Schirm hat.

Bei allen derben Auslassungen hast du auch eine weiche Seite. Was bedeutet es dir beispielsweise Fan von Udo Jürgens zu sein?

Es gibt relativ wenige neue Bands die ich so für mich entdecke, häufig ist das was so tagtäglich aus dem Radio kommt etwas befremdlich. Udo Jürgens hingegen höre ich schon seit ich neun Jahre alt bin und war auch schon sehr früh auf einem Konzert von ihm, was mich damals sehr begeistert hat. In den letzten zehn Jahren war ich sicher auf 15 Konzerten und hab Udo auch noch persönlich kennen gelernt. Songs von ihm, wie zum Beispiel „Mein Baum“, rühren mich sehr und bedeuten mir unglaublich viel. Er war ein sehr wichtiger Künstler, der nun leider nicht mehr da ist.

Anderes Thema: Stören dich Fußball-Transfers? Spieler kosten derzeit aberwitzig viele Millionen; der Kapitalismus scheint keine Grenzen zu kennen, oder?

Ich nehme diese Summen wahr, aber ich kann da nichts dran ändern, daher interessiert mich das auch nicht großartig. Ich verfolge im persönlichen Bereich andere Ansätze.

Welche sind das?

Im Großen und Ganzen denke ich, muss man bei sich selber anfangen. Du musst dein Leben vernünftig gestalten und schauen, wie du vielleicht selber ein besserer Mensch wirst. Wie kann ich ganz konkret dazu beitragen, dass die Welt besser wird.

Oliver Polak
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