Kurz mit Kröck: Interview mit Schauspielhaus-Intendant

Will seine Zeit gut nutzen: Olaf Kröck | Foto: Knotan

Olaf Kröck möchte nicht „Interim“ sein. Er wird Intendant, beerbt damit seinen langjährigen Chef Anselm Weber und wird ab Spätsommer in der ruhmreichen Geschichte des Bochumer Schauspielhauses die kürzeste Intendanz innehaben. Mitte 2018 übernimmt schon Johan Simons. Ein Gespräch mit Tom Thelen über Chancen und Schwierigkeiten einer ungewöhnlichen Art von Pop-Up-Intendanz.

Wie wird man eigentlich Kurzzeit-Intendant eines so großen Hauses?

Als die Suche der Stadt nach einem Nachfolger Anselm Webers lange dauerte und keiner mit uns sprach, wurden wir schon unruhig. Anselm hat sich dann stark gemacht für das Haus und die Spieler. Recht kurzfristig hat er dann auch mit mir über die jetzt realisierte Möglichkeit gesprochen. Ich hatte nicht viel Zeit zu überlegen, was mache ich eigentlich, wenn die mich fragen? Dann ging es schnell. Mittwochs kam die Anfrage, Donnerstag gab es ein längeres Gespräch, Freitag wurde ich zum Intendanten gewählt. Noch am Wochenende fragte ich bei Regisseuren nach. Denn branchenintern ist der Zeitrahmen eng. Es gab deshalb auch viele Absagen.

Aber trotzdem steht jetzt ein Spielplan?

Ja, klar. Es ist eine Intendanz mit allem, was dazu gehört. Das ist mir und uns wichtig. Sie ist relevant für die Geschichte dieses Hauses, das ist wichtig für das Selbstverständnis des Schauspielhauses.

Ein Fußballvergleich: ein befristeter Trainer mit einem Kader aus Spielern, deren Verträge allesamt auslaufen. Ein internationaler Erfolgstrainer steht in den Startlöchern. Da ist doch kein Erfolg möglich?

Das ist anders. Der Lustfaktor ist bei allen sehr hoch, es gab viel Bestätigung. Viele bleiben gerne, ein Beispiel ist etwa Bettina Engelhardt. Es kommen sogar großartige Schauspieler dazu, die beschlossen haben, dass das gut für sie ist. Etwa die fabelhafte Johanna Eiworth aus Freiburg.

Was werden wir sehen?

Vor allem Bochumer Erstaufführungen. Nur vier der 25 Premieren waren schon mal hier zu sehen. Manchmal ist das kaum zu glauben, aber wir haben ausführlich recherchiert. So wurde z.B. die „Orestie“ von Aischylos noch nie am Schauspielhaus aufgeführt. Sehr stolz sind wir auch darauf, die Rechte für den Broadway-Erfolg „The Humans. Eine amerikanische Familie“ von Stephen Karam bekommen zu haben. Und Laura Naumann entwickelt mit dem Ensemble ein neues Stück mit dem Titel „Wir müssen reden.“

Aber es sind nur wenige „echte“ Dramen im Spielplan?! Dafür Film- und Romanadaptionen, eine „Überschreibung“ oder auch eine Adaption des autobiografischen Textes von Daniel Paul Schreber.

Wir stehen durchaus fest in der Tradition der Menschendarstellung. Heute gibt es dafür viele Möglichkeiten Theater zu machen und die brauchen verschiedene Vorlagen. Aber keine Sorge: die traditionelle Linie mit starken Schauspielern und Regie-Ästhetiken kommt nicht zu kurz, auch wenn wir viel experimentieren. Auch neu: wir gehen mit zwei Stücken auf die türkischstämmige Gemeinschaft zu. Wir gehen zum Ende der Spielzeit raus in die Stadt u. a. mit dem amerikanischen Komponisten und Regisseur Ari Benajmin Meyer. Und wir zeigen die neue Produktion „Endgame“ von machinaEx, bei der der Zuschauer selbst aktiv werden muss und in einer Art großem live Computerspiel Formen der digitalen Kriegsführung simuliert. Wir wollen unsere traditionellen Milieus durchaus auch einmal verlassen, die Fallen der Repräsentation umschiffen, andere Kulturtechniken, die durch die Digitalisierung entstehen, integrieren. Wir wollen neue Kommunikationsformen testen.

Das ist viel Programm und Konzept für eine kurze Zeit.

Ich bin gar nicht dogmatisch, ich bin pragmatisch. Ich weiß um die Blase in der ich als Theatermacher lebe. Für mich ist Theater das wichtigste Medium der Welt. Und natürlich ist mir klar, wie albern das ist, angesichts der weltumspannenden Verbreitung der digitalen Massenmedien. Ich will etwas mit Theater erreichen. Auch wenn unsere Botschaften äußerst diffus sind. Aber ohne Inhalte, ohne Haltung würde für mich das Theater seinen Sinn verlieren. Gleichzeitig können und wollen wir aber auch unterhalten. Entscheidend ist für mich, dass sich Anspruch und Zerstreuung mischen. Kunst und Unterhaltung ist kein Widerspruch. Kunst braucht aber unbedingt, das verbindet sie wiederum mit der Wissenschaft, ökonomische Freiräume.

Was macht Olaf Kröck denn nach dem Bochumer Abenteuer?

Vielleicht sitze ich ja 2018 auch erst mal eine Weile täglich im Café Zentral und genieße den Tag.

 

Unwahrscheinlich. Wir danken für das Gespräch.

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