Feierstimmung im Varieté: Das Et Cetera wird 25

Eine alte Aufnahme des Varieté-Teams auf Mallorca | Fotos: Varieté Et Cetera

Das Bochumer Et Cetera ließ am Sonntag die Sektkorken knallen und feierte mit einer bewegenden Geburtstagsgala sein 25-jähriges Bestehen. Die Jubiläumshow, bei der die Varieté-Gründer selbst auf der Bühne stehen und Einblicke in die wechselvollen Zeiten des Theaters geben, läuft noch bis zum 5. November.

Prall gefüllt war der samtene Saal mit der gedämpften Beleuchtung, den roten Stuhlhussen und den weißen Kerzen am Sonntagabend. Alles was in Bochum Rang und Namen hat, quetschte sich an die runden Tischchen, um dem Varieté Et Cetera zum silbernen Jubiläum zu gratulieren. Die Laudatio hielt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. Mit den Worten „Es braucht Mut, nicht mehr dem Publikum hinterher zu reisen, sondern die Gäste zu sich kommen zu lassen“ erinnerte Eiskirch an die  Entscheidung des Ehepaars Cabello vor 18 Jahren ihre Zelte nicht mehr abzubrechen, sondern in Bochum sesshaft zu werden. Ihre neue Heimstatt fand das Varieté auf dem alten Stadtbahn-Gelände an der Herner Straße. 

Gisbert Schlotzhauer, Vorstandsmitglied der Bogestra, ließ es sich nicht nehmen und erzählte sichtlich bewegt von den Anfängen in Bochum: von den Künstler-Wohnwagen, dem großen Zelt und der ausrangierten Straßenbahn, die kurzerhand zu Kassenhäuschen und Büro umfunktioniert wurde. „Es war uns damals ein Anliegen, das Juwel noch etwas mehr zum Strahlen zu bringen.“ Aus der Partnerschaft zwischen Bochumer Verkehrsbetrieben und Varieté  habe sich im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft entwickelt. Die besondere Verbundenheit der Gäste mit dem Haus war an diesem Abend spürbar. Nicht nur Mitglieder aus Politik und Wirtschaft, sondern auch viele ehemalige Künstler-Kollegen waren gekommen, um bei der Geburtstagsgala anzustoßen.

Ein ramponiertes Zirkuszelt

Mit dem Erwerb eines ramponierten DDR-Zirkuszelts hatte die Karriere der Et-Cetera-Gründer Jörg Richter sowie Silvia und Ronny Cabello vor 25 Jahren begonnen. Kennengelernt hatten sich die drei beim Zirkus Roncalli. Mit dem Kauf erfüllten sie sich den Traum eines eigenen Varieté-Theaters. Mit einer großen Portion Enthusiasmus und auch, wie Ronny heute zugibt, einer gewissen Naivität stürzten sie sich in das Abenteuer. „Hätten wir geahnt, wie viele Mühen und Anstrengungen vor uns lagen, wir hätten es trotzdem gemacht“, meint er augenzwinkernd. Sieben Jahre tingelten sie durch ganz Deutschland und erlebten dabei viele Höhen und Tiefen: ausbleibende Besucher, fehlende Spielgenehmigungen oder gefrorenes Heizöl bei minus 15 Grad. Davon erzählen Silvia und Ronny in ihrer Jubiläumsshow, die noch bis zum 5. November zu sehen ist.

 

Die Jubiläumsshow

Sehr persönlich ist die Show geworden, die sie zusammen mit Regisseur Sammy Tavalis auf die Beine gestellt haben. Die Nummern der Artisten werden immer wieder unterbrochen durch private Anekdoten und alte Fotografien aus den Tiefen des Theaterfundus. In Video-Einspielern gratulieren ehemalige Weggefährten. Aber nicht nur die Geschichte des Varietés, sondern auch die Show insgesamt hinterlässt Eindruck: Damen und Diabolos wirbeln durch die Lüfte, Partnerakrobaten setzen durch ihre Muskelkraft die Gesetze der Physik außer Kraft  und Trapezkünstler schwingen sich behände durch den Zuschauerraum. Mit viel Witz führt Luke Dimon durch den Abend, der alte Karten- und Verschwinde-Tricks aus dem Hut zaubert, ihnen aber mit seiner nonchalanten Art neuen Glanz verleiht. Eine besonders magische Atmosphäre schafft der Künstler Oleg Basanov, indem er mit einer Taschenlampe exotische Landschaften aus einer fluoreszierenden Leinwand hervorlockt. Das Ensemble um Familie Cabello zeigt einmal mehr, dass in Zeiten von YouTube und Facebook, in denen man glaubt, schon alles gesehen zu haben, Varieté-Kunst dennoch zu verzaubern vermag. Mit einem Hauch Glitzer auf den Schultern ging es nach der Geburtstagsgala nach Haus. Eine Show für Freunde des Varietés und die, die es werden wollen. Lina Niermann

 www.variete-et-cetera.de