Berühmt, statt berüchtigt: Wiedereröffnung der Eve-Bar

Die Eve Bar wird wiederbelebt. | Foto: Sebastian Ritscher

Berühmt, aber auch ein gutes Stück berüchtigt: Zu ihrer wildesten Zeit uferten die Partys in der Eve-Bar des Bochumer Schauspielhauses schon mal aus. Seit 2015 ist sie allerdings nur noch ein Schatten ihrer selbst. Olaf Kröck, neuer Schauspielhausintendant, will die Eve-Bar wieder auferstehen lassen.

„Sobald ich zum Intendanten ernannt wurde, sagte ich, dass wir die Eve-Bar wieder aufmachen“, so Kröck. Die Zeit sei einfach reif gewesen, neu zu starten. Wobei, ganz geschlossen war die Eve-Bar nicht. 2014 kam es zum Pächterwechsel der Gastronomie im Schauspielhaus. Zum alten Pachtvertrag gehörte noch die Eve-Bar. Die wurde allerdings im neuen Vertrag ausgeklammert und hat bis 2015 auf eine Wiederbelebung gewartet. Die kam, fiel aber bescheiden aus.

Tobias Malcharzik kuratiert das Programm der Eve Bar. | Foto: Sebastian Ritscher

Die erste Wiederbelebung 2015 verzichtete gänzlich auf Partys. Die einst so wilde Eve-Bar zeigte sich geradezu zurückhaltend und stellte die Bühne für ruhigere Formate wie die Reihe „Songs & Lyrics“ oder das Speedtalking.

Gewohnheitstiere dürfen sich freuen, das neue Konzept bietet sowohl dem Speedtalking, als auch Songs & Lyrics ein Zuhause. Aber Tobias Malcharzik, der die Eve-Bar jetzt kuratiert, hat einiges mehr vor. „Es wird vier Bausteine geben, aus denen sich das Programm zusammensetzt“, sagt Malcharzik.

  • Theater: Malcharzik setzt auf schnelle Abende mit viel Improvisation, hohem Unterhaltungswert und Publikumsnähe.
  • Diskurs: Die Eve-Bar wird verschiedene Talkformate beherbergen, eines ist mit Feminismus im Pott geplant.
  • Konzerte: Neben „Songs & Lyrics“ wird es weitere Konzerte, gerne auch elektronischer Machart, geben.
  • Club: Malcharzik will die Eve-Bar als „Klub“ wieder auferstehen lassen.

Der Clubbetrieb ist einer der vier Bausteine, aus denen das neue Konzept besteht. Sorgen müssen sich die Anwohner aber nicht machen. Die ausufernden Partynächte, die auch außerhalb der Eve-Bar für viel Lärm gesorgt haben, sind so nicht geplant. Generell soll die Eve-Bar wöchentlich öffnen, mindestens bis zweimal, vielleicht auch häufiger. Einen regelmäßigen Clubbetrieb müssen die Bar-Nachbarn laut Olaf Kröck aber nicht befürchten. Mit der Eve-Bar will er dem Theater einen Zwischenraum geben und Kunst stattfinden lassen.

Die Eve-Bar von früher ist und bleibt also Geschichte. Hinterhertrauern muss den alten Zeiten aber niemand. Olaf Kröck: „Das ist nicht die Wiederholung des Altbekannten, man darf sich darauf einlassen, neue Sachen zu entdecken. Wir schaffen neue Nostalgie.“

Die Raumaufteilung bleibt. Viel Schwarz und viele Spiegel sollen die Eve Bar aber "clubby" machen. | Foto: Sebastian Ritscher

Immerhin den Raum dürften Nostalgiker wiedererkennen. Die Aufteilung bleibt dieselbe, aber „der komplett umgestaltete Raum wird sehr clubby“, sagt Malcharzik. Schwarze Bühne, schwarze Wände, viele Spiegel und verschiedene Lichtobjekte. Die Eve-Bar soll kühl sein, ohne kalt zu sein. Außerdem wird der bisherige Zulieferergang in den Raum aufgenommen, als „Knutschecke“.

Die neue Optik bereitet die Bühne für neue und altbekannte Acts. Tobias setzt einerseits auf heimische DJs, wie Aennigma (Resident im Schuhmacher Club), die ihre DJ-Laufbahn in der Eve Bar begonnen hat, und stöbert andererseits in der Berliner Clubszene. Olaf Kröck: „Die Musik hat eine bestimmte Farbe, die vielleicht nicht jedem zusagt – Mainstream ist das nicht.“ Sebastian Ritscher

Oktoberprogramm:

  • 6.10. #placetobetween: Wiedereröffnung mit Sarah Farina (Berlin) und Rachel Green (Amsterdam)
  • 13.10. Tarantino Party (TransUrban) mit DJ CC Sueside
  • 18.10. Willkommen im Keller: Ensemble-Gala zur Wiederbegrüßung der Eve Bar
  • 21.10. encore: Klubnacht mit Ænnigma (Bochum)
  • 26.10. Stroop schießt Tore: Eine 50+1 prozentige Theater-Impro-Fußball-Talkshow
  • 27.10. Colors (TransUrban) mit DJ Supaomega
  • 30.10. Bingo Bongo Bude: Personality Late-Night mit Lisa Jopt, Pirmin Sedlmeir und Gästen

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