Do Tuan Anh: Verloren in einem fremden Land

Arbeit von DoTuanAnh | Foto: Fonis Galerie

Größer könnte der Unterschied kaum sein: Vor drei Jahren verließ Do Tuan Anh seine Heimat Vietnam und kam nach Deutschland. Seitdem lebt der Künstler gemeinsam mit Frau und Sohn in einem Fachwerkhaus in Solingen-Gräfrath. Richtig angekommen, ist er dort noch nicht. Die Verlorenheit in der Fremde thematisiert er auch in seinen Bildern.

Anh hat in Hanoi studiert. An der University of Art and Design. In der vietnamesischen Hauptstadt waren seine Werke bereits in zahlreichen Ausstellungen zu sehen. Im Rahmen der Gruppenschau „Migration und Identität“; zu sehen im Februar 2016 in Hanoi, gab er sein Innerstes Preis. Auf robusten Reispapierbahnen hielt er seine Stimmungen und Gefühle im Verlauf eines Tages fest. Morgens, mittags, nachmittags, abends und nachts. Die Arbeiten zeigen ihn immer alleine. Nachdenklich. Das Ringen ums Ankommen ist förmlich greifbar.

„Das unberührte Land“ ist Anhs erste Einzelausstellung in Deutschland überschrieben. Sie startet Anfang September in der Düsseldorfer Fonis Galerie. Wie für jeden neuen Ausstellungszyklus hat Anh auch in diesem Fall neue Ausdrucksmittel gewählt. Wie ein Chamäleon passt er sich seiner Umgebung an, wandelt sich und seine Art zu malen und bleibt dabei doch immer er selbst. Die Arbeiten, die in Düsseldorf zu sehen sind, hat er auf Seide aufgebracht. Das zarte, feine Gewebe hat er mit Tusche bearbeitet. Das Ergebnis: Werke, die ihre Kraft aus der Spannung von Farbe und Material beziehen. Schwarz und weiß sind in diesem Fall die dominierenden Farben. Was das angeht, hat er in den vergangenen Jahren nichts verändert. Thematisch verarbeitet der Vietnamese in den jüngsten Arbeiten das, was ihm in der neuen Heimat widerfahren ist, darunter auch Erfahrungen mit der Kunstwelt. Anhs Bilder erzählen Geschichten, sie erschaffen märchenhafte Welten. Dabei bedient er sich auch des Stilmittels der Fabel. Aus einer großen Leere heraus entstehen erste Inseln der Vertrautheit. Leise keimt Hoffnung auf, Positives kristallisiert sich heraus. Und irgendwann, spürt der Betrachter, könnte alles besser sein. Vielleicht sogar gut.