Theater Glassbooth: Container Love

Im Container zerstückeln Realität und Identität

Die perfide Situation von „Big Brother“ fasziniert Theatermacher seit langem. Berüchtigtes Beispiel ist „Ausländer raus!“, bei dem Christoph Schlingensief im Jahr 2000 in Wien Asylanten in den Container sperrte und die Zuschauer darüber entscheiden ließ, wer ausgewiesen werden soll. Nun nimmt sich das freie Theater „Glassbooth“ in etwas gemäßigter Form des Themas an.

Zuschauer und Darsteller sind in „Container Love“ gleichermaßen Gefangene in einem absurden Spiel. Und wie im richtigen Fernsehen steht die Frage im Mittelpunkt: Sind die Insassen des Containers die Gefangenen oder die Zuschauer, die sich das alles anschauen. Mit im Container sitzt auch die „scripted reality“, die das Spiel lenkt, aber vielleicht auch selbst nur inhaftiert ist. Seit 2003 hat das Theater Glassbooth unter der künstlerischen Leitung von Jens Dornheim und Gordon Stephan neun Produktionen realisiert, Stücke von Mark Ravenhill und Marius von Mayenburg waren darunter genauso wie Roman- oder Filmadaptionen. Mit „Container Love“ hat nun erstmals ein selbstverfasstes Stück der Gruppe Premiere.