Stephan Orth: Wie der Opa, so der Enkel

Auf Opas Spuren: Stephan Orth | Foto: privat

Persönlich kennengelernt hat Stephan Orth seinen Opa mütterlicherseits nie. Seitdem der Spiegel-Online-Redakteur aber einer Forschungsreise, die sein Großvater vor hundert Jahren unternahm, nachgespürt hat, haben Opa und Enkel eine gemeinsame Geschichte

„Opas Eisberg“ lautet schlicht der Titel eines Buches, dessen Inhalt alles andere als schlicht ist. Autor Stephan Orth beschäftigt sich darin mit einer Grönland-Expedition, die sein Großvater Roderich Fick im Jahre 1912 unternommen hat. Mehr noch: Stephan Orth ist auf Spurensuche gegangen, hat 100 Jahre später die Strapazen auf sich genommen, im Kampf mit Eisstürmen, Gletscherspalten und heimtückischen Pulka-Schlitten zu lernen, dass – so der Klappentext – „sich den Arsch abfrieren“ wesentlich lustiger klingt als es ist. Ausschlaggebend für die Expedition des Enkels ist Roderich Ficks Grönland-Tagebuch, das Enkel Stephan fünfzig Jahre nach dessen Tod in die Hände bekommt. „Natürlich hatte die Familie immer gewusst, dass es da liegt. Dass mein Großvater 1912 zu einer Forschungsreise nach Grönland aufgebrochen war“, schreibt der erfolgreiche Buchautor, „ein lebensgefährliches Unterfangen, kaum weniger riskant als die Südpolfahrten von Robert Falcon Scott und Roald Amundsen kurz zuvor. Stoff für einen Abenteuerroman. Und gleichzeitig: der Opa halt. Wen interessiert schon das alte Zeug.“

Ihn hat es interessiert, und zwar brennend. Schließlich ist in Grönland ein Berg nach Opa benannt: Ficks Bjerg. Stephan Orth ist anhand des Tagebuches der Route nachgespürt und hat zum Beispiel einen Steinmann, den sein Großvater auf einem Fels gebaut hat, nach 100 Jahren dort vorgefunden. Beeindruckende Schilderungen, über 40 Farbabbildungen und zehn Schwarzweiß-Fotos machen diese abenteuerliche Geschichte für den Leser lebendig; die multimedialen Vorträge nehmen die Zuhörer mit auf die Reise nach Grönland.