Sei doch mal momentan!

Die Momentanindustrie will dich! | Fotograf: Jerun Vahle

In der Mülheimer City startet am Freitag, den 13. um 18 Uhr die Momentanindustrie. „Der Termin ist Zufall“, sagt Holger Bergmann, künstlerischer Leiter des Ringlokschuppens, „aber ich habe mit dem angeblichen Unglückstag immer gute Erfahrungen gemacht.“

Zum dritten Mal nach „SchlimmCity“ und „Ruhrzilla“ findet das Stadtspiel in Realversion in diesem Jahr statt – zum ersten Mal als Kooperation zwischen Ringlokschuppen und Urbane Künste Ruhr. Und von Anfang an wollte es nicht einfach ein Kunst- und Theater-Programm im Sommer sein, sondern ein Beitrag zur Diskussion über die Möglichkeiten von Stadt und Mülheim im Besonderen.

„Tatsächlich hat sich einiges getan“, freut sich Bergmann, „gerade dadurch, dass viele Aktionen im Rahmen des Stadtspiels nicht eindeutig sind, konnten diskursive Prozesse angestoßen werden, und es gibt in Mülheim eine neue Art der Beteiligungskultur.“ Genau darum geht es bei dem Stadtspiel: Wie ist Urbanität heute überhaupt noch möglich, wenn wir alle über Smartphones und Soziale Netzwerke agieren. Spielt der reale Ort, an dem wir uns befinden, noch eine Rolle? Gibt es noch reale Orte, an denen man zusammen kommt, oder ist die virtuelle Community viel wichtiger? „Urbanität ist immer das Fremde“, erklärt Bergmann, „die Schaufenster sind entstanden als Blick in exotische Welten.“ Diese Lust am Fremden sei heute weitgehend verloren gegangen, die Städte in soziale Bereiche separiert, die kaum noch Berührungspunkte haben. Mit den Aktionen und Performances, den künstlerischen Interventionen soll die Momentanindustrie diesen Zustand angreifen und zumindest eine Zeitlang aufheben.

Und der Titel? „Die Verhältnisse der Montanindustrie prägen das Ruhrgebiet bis heute“, ist Bergmann überzeugt, „wir denken und planen in Zeiträumen von zehn oder fünfzehn Jahren und warten darauf, dass wieder etwas kommt, das die Region für Jahrzehnte prägt wie der Bergbau. Vielleicht sollten wir endlich davon wegkommen und einfach mal etwas ausprobieren. Schnell und spontan eine Idee verwirklichen, etwas für den Moment tun.“ Die Momentanindustrie probiert 222 Stunden lang eine neue Art der Produktion aus, die schnell und flüchtig ist. Aber hoffentlich wieder ihre Spuren hinterlässt und die Lust am Urbanen zurück in die Stadt holt.