Heißer Scheiß: 40 Grad – Urban Art

Arbeit des Spaniers SAM3, An der Icklack, Düsseldorf | Foto: Klaus Rosskothen

Zwischen dem 6. und 22. September wird es heiß in Düsseldorf. Heiß und bunt. „40 Grad – Urban Art“ nennt sich das erste Festival für urbane Kunst in der Landeshauptstadt. Klaus Rosskothen, der seit 2007 die Galerie Pretty Portal in Bilk betreibt, gehört zu den Organisatoren. Alexandra Wehrmann sprach mit dem 45-Jährigen.

Was erwartet die Besucher beim „40 Grad – Urban Art“?

Im Rahmen des Festivals werden bekannte Künstler aus der lokalen, überregionalen und internationalen Urban Art-Szene zwölf Orte in Düsseldorf in unterschiedlicher Weise gestalten. Dabei entsteht eine Sammlung einzigartiger Kunstwerke, die der Stadt und ihren Bewohnern über den Festivalzeitraum hinaus erhalten bleibt. Weiterhin gibt es ein spannendes Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden, Filmen und eine tolle Abschlussveranstaltung im Boui Boui Bilk mit Konzert, Ausstellung und Live-Malaktionen.

Viele verbinden mit Urban Art zunächst mal Graffiti, vielleicht noch Wandmalerei. In welchen anderen Erscheinungsformen tritt die urbane Kunst in der Stadt auf?

Wenn man genau hinschaut, findet man an vielen Orten in der Stadt Stencils und Paste-ups. Viele schöne Bilder, die den meisten aber wahrscheinlich verborgen bleiben. Mit dem Festival wollen wir den Künstlern größere Flächen zur Verfügung stellen und somit auch den Düsseldorfern den Blick für diese Art von Kunst öffnen.

In Köln hatte das Pendant „CityLeaks“ bereits vor zwei Jahren Premiere. Städte wie Paris oder New York organisierten Urban Art-Ausstellungen. In der selbsternannten Kunststadt Düsseldorf hingegen wird das Thema zumindest vom institutionalisierten Betrieb ignoriert. Wie erklärt ihr euch das?

Es ist keine große Neuigkeit, dass in Düsseldorf eher etablierte Kunstformen unterstützt werden. Ich denke, wir müssen dieses Jahr den ersten Schritt allein machen. Sollten wir das „40 Grad – Urban Art“ im nächsten oder übernächsten Jahr wiederholen, kann ich mir vorstellen, dass die Stadt sich mehr engagieren wird.

Die Reaktion im Rathaus war also in diesem Jahr eher verhalten?

So ist es. Ich glaube, man ist gespannt, zu sehen, was wir dieses Jahr auf die Beine stellen. Flächen hat man uns, obwohl wir angefragt haben, keine zur Verfügung gestellt. Die Hauswände, die im September gestaltet werden, sind alle in privatem Besitz.

Pixel Pancho, Brachtstr. Düsseldorf

Wenn sich jemand das Entstehen der Wandbilder anschauen möchte: Wo genau findet er Wände und Künstler?

Auf unserer Webseite und auf unserer Facebookseite werden wir alles rechtzeitig kommunizieren. Orte, Zeitpunkte und Künstler.

Im Rahmen des Festivals ist u. a. ein „Graffiti Jam“ geplant. Was genau darf man sich darunter vorstellen?

Das muss man sich so vorstellen, dass Writer aus Düsseldorf und Köln zusammen eine lange Wand gestalten. Hier werden dann cairca 20 Künstler gleichzeitig aktiv sein.

Der Besucher soll bei „40 Grad“ kein reiner Konsument bleiben. Durch Workshops und Projekte werden gerade Kinder und Jugendliche aktiv mit ins Geschehen eingebunden. Und auch Senioren sollen mit einem Workshop „Sprühen Ü 60“ an das Thema herangeführt werden.

Die Kinder und Jugendlichen werden auf der Kiefernstraße vom Kinderclub angeleitet. Dort lernen sie mit der Sprühdose zu malen. Hier rechne ich mit einer sehr regen Beteiligung. Auch für den Ü 60-Workshop haben sich bereits jetzt (Anfang August, die Red.) einige Teilnehmer angemeldet. Das Thema Workshop stößt insgesamt auf sehr großes Interesse.


In den letzten Jahren hat es einen Hype um die Urban Art gegeben: unzählige Bildbände, Stadtführungen, Ausstellungen und so weiter. Es geht mittlerweile also auch ums Geld verdienen. Steht das nicht der ursprünglichen Idee entgegen?

Nein, Urban Art-Künstler sind ja genauso Künstler wie andere auch und möchten ebenfalls von ihrer Kunst leben können. Eine Idee, die besagt, dass Urban Art immer umsonst sein soll, gibt es meiner Meinung nach nicht.

Da passt der Bilderklau vom Mintropplatz gut ins Bild. Vor einigen Wochen wurde aus der Bahnunterführung ein Werk, das nicht direkt auf die Wand aufgebracht war, entwendet. Gibt es diesbezüglich schon eine heiße Spur?

Leider nicht. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

 

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