Comic: Krieg ernährt den Krieg

| Foto: Carlsen Verlag

Seit über 150 Jahren ist es mit Afghanistan immer das gleiche: Eine Supermacht kann zwar das Land besetzen, es aber nicht beherrschen. Trotz aller militärischer Überlegenheit gelang es weder den Briten, den Russen, den Amerikanern noch der internationale Truppe ISAF, zu der auch die Bundeswehr gehört, den Widerstand in Afghanistan zu brechen.

Journalist David Schraven, der unter anderem für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (WR, WAZ, NRZ usw.) in Afghanistan war, hat mit dem Zeichner Vincent Burmeister nun ein Comic über seine Beobachtungen in dem zerrissenen Land publiziert. Unter dem Titel „Kriegszeiten – Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan“ ist die gelungene Mischung aus 70er-Jahre-Farben und aktueller Comic-Erzählweise im Carlsen-Verlag erschienen. In Bottrop liest Schraven aus dem Comic vor – passenderweise am 11. September.

Die Veranstaltung wird organisiert vom Literaturbüro Ruhr und findet in der Reihe „Café Schlaflos“ statt. Grundlage für die Lesung ist die Reportage von David Schraven über seine Reise durch Afghanistan. Ein Jahr hat er daran gearbeitet. In einer Szene des Comics geht es zum Beispiel um die Eroberung einer Ortschaft. Die deutschen Soldaten entdecken unter der Burka verborgene Kalaschnikows per Nachtsichtgerät; über Funk angeforderter Artillerie-Beschuss löscht anstürmende Aufständische per Knopfdruck aus. „Jeder Schuss wurde vorab von Rechtsberater in der Operationsbasis Kunduz abgenickt“, heißt es.

Die Zeichnungen sind technokratisch und statisch – und verdeutlichen so die schier unüberwindbare Distanz auf kultureller, gesellschaftlicher und eigentlich auch auf allen anderen Ebenen des Lebens, die zwischen den Soldaten der Bundeswehr und den Menschen in Afghanistan besteht. Am Ende der Operation sind viele „Aufständische“ tot, die Verluste bei der Bundeswehr liegen bei null. Und trotz aller militärischer Übermacht ist kein Ende des Krieges in Afghanistan in Sicht.

„In Afghanistan gibt es keine Massenschlachten, die auf Biegen und Brechen durchgezogen werden“, erklärt David Schraven, „der Krieg bestimmt den Lebensunterhalt. Krieg ernährt den Krieg. Das Leben wird durch den Krieg finanziert.“ Das Comic sei weder ein Kriegs- noch ein Antikriegscomic, sondern schildere den Konflikt aus Sicht der deutschen Soldaten. Schraven: „Und wenn man ehrlich ist, über die Leute da macht sich keiner Gedanken.“

Für Online: Leseprobe: derwesten-recherche.org