Prinzregenttheater Bochum: Romy Schmidt bleibt nur noch ein Jahr

Romy Schmidt vor drei Jahren. Ein Jahr hat sie noch am PRT. | Foto: Sandra Schuck

Etwas war anders bei dieser Spielzeit-Pressekonferenz am Bochumer Prinzregenttheater (PRT): Leiterin Romy Schmidt lud nicht wie sonst ins Theaterfoyer, sondern in ein fensterloses Kulissenlager und stellte das neue Programm im Kreise ihres gesamten Ensembles und aller Mitarbeiter vor. Am Ende dann der große Knall: Sie verkündete, dass der Trägerverein des Theaters ihren Vertrag nach Ende der Saison – ihrer dritten am Haus – nicht verlängern wird.

Zu den Gründen wollte sich Romy Schmidt nicht äußern: „Sie sind für mich nicht nachvollziehbar.“ Dramaturg und Autor Frank Weiß, der wie seine Kollegen einen Aufkleber mit aufgemaltem Fragezeichen trug, ergänzte: „Was könnten denn Gründe sein? Wir haben erfolgreich gearbeitet, hatten gute Besucherzahlen und eine gute Stimmung. Wir hätten genug Ideen gehabt, die Arbeit hier fortzuführen.“

Verein will Schmidt "schützen"

Den Vorstand des Trägervereins bildet Romy Schmidts Vorgängerin Sibylle Broll-Pape, die mittlerweile Intendantin des E.T.A.-Hoffmann-Theaters Bamberg ist, gemeinsam mit der Schulleiterin Susanne Muthig-Beilmann. Letztere nannte als Grund für die Nicht-Verlängerung ausschließlich „anhaltende und nicht auflösbare Differenzen zwischen Verein und Frau Schmidt.“ Mit der künstlerischen Arbeit und der Außenwirkung des Theaters sei man zu hundert Prozent zufrieden, aber das Vertrauensverhältnis sei zerstört. „Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht ins Detail gehen möchte – auch um Frau Schmidt zu schützen.“

Dem Gerücht, Sibylle Broll-Pape plane eine Rückkehr nach Bochum, konnte Susanne Muthig-Beilmann allerdings eine klare Absage erteilen: „Sie macht am E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg erfolgreiche Arbeit und wird sie auch weiterführen.“

Unregelmäßigkeiten unter alter Intendanz

Alle Beteiligten beteuern, dass das noch nicht abgeschlossene Prüfverfahren des Landesrechnungshofs NRW, bei dem Unregelmäßigkeiten zu Zeiten von Sibylle Broll-Papes Intendanz im Jahr 2014 aufgefallen waren, nichts mit der Quasi-Kündigung zu tun habe. „Es bleibt allerdings dabei, dass Landesmittel zurückgehalten werden“, bestätigte Romy Schmidt.

Die Stadt Bochum fördert das Prinzregenttheater weiter mit 233.000 Euro pro Jahr. Kulturdezernent Michael Townsend will sich allerdings nicht in die Personalentscheidungen des Trägervereins einmischen. „Die Entscheidung hat mich überrascht, aber nach Gesprächen mit beiden Seiten lag sie für mich im Bereich des Möglichen“, so sein Kommentar. Das PRT sei eins der wichtigsten Kulturinstitute der Stadt und den Vorgang bewerte er erstmal wie einen normalen Intendantenwechsel.

Besucherrekord unter Romy Schmidt

Bereits nach ihrer ersten Saison hatte Romy Schmidt 2016 einen Besucherrekord verkündet und betont: „Unser Plan, das Theater in die Stadt hinein zu öffnen, ist wunderbar aufgegangen.“ Auch in der dritten Spielzeit, die unter dem Motto „Wahrheit und Pflicht“ steht, führt sie die Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste fort, das Grubengold-Ensemble mit geflüchteten Menschen, zwei Jugendclubs und die Late-Night-Show „Heute Nacht mit Helge“ an verschiedenen Orten in der Stadt. Die Saison startet am 30. September mit der Premiere von Jean Genets „Die Zofen“ unter der Regie von Frank Weiß. Mit „Sisyphos – der Berg ruft“ bringt die Leiterin am 8. Dezember außerdem eine eigene Stückentwicklung nach Motiven Albert Camus und der griechischen Mythologie zur Uraufführung. Max Florian Kühlem