Poetry Slam und Tango: Bernard Hoffmeister

Buchbegeistert: Bernard Hoffmeister | Foto: Anna-Lisa Konrad

Bernard Hoffmeister ist Autor, Poetry Slammer, Moderator, Quizfragenerfinder und Literaturkritiker. Mit Anna Schmitz sprach er über das neue Düsseldorfer Projekt Rheinlesen. Und darüber, warum Poetry Slam ein bisschen wie Tangotanzen ist.


Welche Texte liest du bei Poetry Slams am liebsten vor?

Das ist unterschiedlich. Ich bringe die Leute gerne mal zum Lachen. Aber grundsätzlich finde ich Texte, die zum Denken anregen, künstlerisch interessanter. Das ist leider schwieriger auf einer Bühne zu vermitteln. Wenn man über moralische Themen schreibt, will man das ja nicht mit einem erhobenen Zeigefinger machen. Man ist schließlich auf keiner Kirchenpredigt.


Wie witzig ist Poetry Slam?

Es gibt viele witzige Texte, aber es ist trotzdem abwechslungsreich. Denn im Gegensatz zum Comedybereich, funktionieren die Texte so gut, weil sie im Kontrast stehen. Es gibt lyrische oder nachdenkliche Texte und die wirken neben einem witzigen Text nochmal ganz anders.


Mehrere hiesige Slam-Veranstalter haben sich kürzlich zusammengetan: Wie kam es zur Verbindung von „Rheinlesen“ und wie kamst du dazu?

Christine Brinkmann und Helge Goldschläger vom zakk und ich haben schon öfter zusammengearbeitet. Da kam die Idee auf, eine Seite auf Facebook zu initiieren, nämlich „Rheinlesen“. Auf dieser kündigen wir Poetry Slam-Veranstaltungen in ganz Düsseldorf an. Wir planen auch eine eigene Veranstaltung unter unserem Label. Am 28. Juli am Paradiesstrand findet die erste statt. Dort stellen wir knöcheltief im Wasser stehend Texte vor, ein DJ wird auch da sein. In Planung ist außerdem ein Städtebattle zwischen Düsseldorf und Köln.


Du liest viel und rezensierst auf einem YouTube-Kanal komplexe Bücher. Wie passt das zu deinen witzigen Poetry Slam-Texten?

In 80 Prozent der Fälle entsprechen die Texte, die ich vortrage, nicht meinem Anspruch an Literatur. Es ist Slam-Poetry. Wie ein Bildhauer, der gerne Tango tanzt. Tango kann auch sehr kunstreich, gefühlvoll und anspruchsvoll sein, aber Tango zu tanzen ist dann doch ein anderer künstlerischer und intellektueller Anspruch als – um bei der Metapher zu bleiben – die Bildhauerei. So ist es auch bei mir mit dem Poetry Slam und der Literatur. 

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