Kunst in Dortmund: Nordbert das Nordstadt-Nashorn

Das ist Nordbert. | Foto: FH Dortmund

Dort wo Felix Meermann und Alexander Weber sitzen, stand vor ein paar Tagen noch ein riesiges Nashorn. Die Nordstadtgalerie der FH Dortmund, die Alexander betreut, war zum zweiten Mal die Werkstatt des Künstlers und Grafikdesignstudenten Felix. Innerhalb von fünf Wochen ließ dieser aus Pappresten ein lebensgroßes Nashorn entstehen. Mit seinem Projekt Ein Nashorn für die Nordstadt will er auf die kulturelle Ausgrenzung des Dortmunder Stadtteils hinweisen.

„Jetzt steht es im Konzerthaus, da hat es ein bisschen mehr Platz.“, erklärt Felix. Am Ende seiner Arbeit habe das Nashorn mit vier Metern Länge und zwei Metern Höhe mit seinen Flügeln fast die Decke erreicht. Bereits 2015 hat der Grafikstudent sein erstes Nashorn namens Nordbert in den Räumlichkeiten der Nordstadtgalerie entstehen lassen. Die Idee dazu hatte er während eines Kurses bei seinem Professor Willi Otremba. Aufgabe war es, etwas für die Nordstadt zu entwickeln. „Da ist mir aufgefallen, dass von diesen Nashörnern nicht so viele in der Nordstadt sind.“, berichtet er. Mit "diesen Nashörnern" meint er die vielen geflügelten Nashörner des Dortmunder Konzerthauses, die sich im Rest der Stadt finden. Mittlerweile seien die Tiere nicht nur ein Zeichen der Kulturstätte, sondern auch ein Symbol für Dortmund. „Dass ich jetzt für die Nordstadt nochmal dieses Symbol schaffe, ist das Interessanteste an dem Projekt.“, erzählt Felix.

Nashorn aus Abfallresten

Die Idee hinter dem Projekt ist gleichgeblieben, das Nashorn an sich hat sich etwas verändert. Es hat Farbe bekommen. Zudem habe sich der Grafikstudent vom italienischen Futurismus inspirieren lassen und mehr dynamische Züge in die Skulptur einfließen lassen. Sowohl das erste, als auch das zweite Nashorn hat Felix aus Abfallresten von Pappe hergestellt. „Der einzige Wert, der entsteht, ist mein kreatives Schaffen“, begründet er seine Wahl. Des Weitern sei es der Gedanke der Vergänglichkeit, der ihm an dem Material gefalle. Er schaffe damit etwas gegen den Kunstmarkt, der davon geprägt sei, Dinge für die Unsterblichkeit zu schaffen: „Das Vergängliche macht es für mich wesentlich wertvoller und es hat mehr Performance-Charakter.“

Felix Meermann (l.) und Alexander Weber | Foto: Mara Hess

Vor zwei Jahren habe Nordbert auf dem Neumarkt nur eine halbe Stunde überlebt. Traurig war Felix deswegen nicht, im Gegenteil: „Ich fand's geil. Dadurch ist die Geschichte nochmal zu etwas Besonderem geworden.“ So ganz will er das Nashornprojekt aber doch nicht der Vergänglichkeit überlassen. Parallel zu seinen Arbeiten an der zweiten Pappskulptur hat er in einem Buch mit Fotografien von Tim Brederecke und Wilko Meiborg  den Lebenslauf von Nordbert dokumentiert.

Auf einem der Fotos steht ein letzter Rest Pappe mitten auf dem Neumarkt in Flammen. Trotz dieses Anblicks und dem schlechten Ruf der Nordstadt, sieht Felix den Stadtteil stark im Wandel. Dieser Meinung ist auch Alexander. Die Nordstadt trage ihr Klischee zu Unrecht: „Klar, es ist dreckig, es ist laut.“, dennoch, „es ist auch noch ein bisschen unberührt und nicht zu modernisiert. Das ist schön.“

Projekte für die Nordstadt

Zusammen mit dem Team der Nordstadtgalerie treibt Alexander Projekte für die Nordstadt an. Neben der Galerie befindet sich das Projektbüro mit der Studienberatung. Das habe die Hochschule speziell in die Nordstadt gelegt, da es hier im Vergleich zum Dortmunder Süden kaum Hochschulangebote gebe. „Wir haben festgestellt, hier sind viele qualifiziert ohne es zu wissen.“, berichtet er. Die Galerieeinrichtung laufe parallel dazu für den Desginbereich der Hochschule. Studenten der FH, Künstler, die etwas von oder für die Nordstadt machen wollen, seien hier immer willkommen. So wie Felix.

Bis zum Dienstag, den 29. August können Besucher des Konzerthauses sein Nashorn noch im Foyer bewundern. Dann übergibt Felix der Nordstadt das Nashorn: „Ich freue mich jetzt schon, die Reaktionen der Nordstädter mitzubekommen.“ Zur Feier der Übergabe wird es eine Prozession mit musikalischer Begleitung vom Konzerthaus zum Neumarkt geben. Wer den Weg des Nashorns begleiten will kann ab 20 Uhr am Festzug teilnehmen. Zusätzlich startet am 25. August ab 18 Uhr eine kleine Ausstellung zur Dokumentation des ersten Nashorns in der Nordstadtgalerie. Mara Hess

Nordtstadtgalerie
Bornstraße 142, Dortmund