Literarisches Gipfeltreffen: lit.Ruhr stellt Programm vor

Wladimir Kaminer | Foto: Jan Kopetzky

84 Autoren, 82 Veranstaltungen, neun Spielorte, ein Literaturfestival: Die erste lit.Ruhr bringt vom 4.-8.10. große Namen der internationalen Literaturszene ins Ruhrgebiet und zeigt gleich von Anfang an, dass sie viel mehr als nur das kleine Geschwisterkind der lit.cologne ist.

„Es wird viel von uns erwartet“, machte Festivalleiter Rainer Osnowski auf der offiziellen Programmvorstellung der ersten Ausgabe von lit.Ruhr am 31.8. klar. Dort schmückten sich die Organisatoren des ersten großen Literaturfestivals im Ruhrgebiet aber nicht bloß mit den großen Namen, die sie eingeladen haben. Obwohl die richtig schön funkeln: Nick Hornby, Wladimir Kaminer, Martin Suter, Elke Heidenreich, Sven Regener, Heinz Strunk, Iris Berben, Ranga Yogeshwar, Donna Leon, Günter Walraff und wie sie alle heißen. Stattdessen geht es bei der lit.Ruhr eigentlich nur um einen Star: die Literatur. Die soll hier laut der künstlerischen Leiterin Traudl Bünger niederschwellig und für alle zugängig sein, sich an alle Menschen richten. „Unser Angebot soll da stattfinden, wo Literatur hingehört: Mitten in der Gesellschaft.“

Martin Suter | Foto: Franco P Tettamanti

Und weil das Festivalkonzept, das ja ein Ableger des Kölner Erfolgsformats lit.cologne ist, sich mit dem Ruhrgebiet beschäftigt, werden nicht nur Kölner Formate rüberkopiert, sondern auch eigene, auf die Region zugeschnittene Konzepte entwickelt. Bünger: „Wir haben uns gefragt, welche Themen hier vorhanden sind, was die Leute beschäftigt und welche Stoffe sich antizipieren lassen.“ So ist etwa eine Autoren-WG in Gelsenkirchen entstanden, in der vier Literaturstudenten fünf Wochen lang leben, um von dort aus das Ruhrgebiet zu durchstreifen und Geschichten zu produzieren. Ebenfalls aus dem Pott gewachsen ist das Projekt „Manchmal esse ich morgens Brot“, in dem Dokumentarfilmerin Undine Siepker vier Menschen aus dem Ruhrgebiet mit der Kamera begleitet hat, um ihre Lebensläufe einzufangen. Frei nach dem Motto: Jede Biografie ist auch ein Roman.

Begegnungen schaffen

Das Programm des fünftägigen Literaturmarathons liest sich dabei, wie ein Gipfeltreffen der größten Schreiber, Sprecher und Kulturmacher aus der ganzen Welt. Vom Schweizer Business-Class-Sezierer Martin Suter über die Londoner Schriftstellerin Zadie Smith bis hin zum romanschreibenden Rammstein-Keyboarder Flake. Auch besondere Begegnungen sollen geschaffen werden – etwa wenn sich zum Thema Pressefreiheit der Enthüllungsjournalist Günter Walraff und der türkischstämmige Autor Doğan Akhanlı treffen, der erst kürzlich auf Geheiß der Türkei per Interpol in Spanien festgenommen wurde. Die meisten Begegnungen sind dabei auf der Eröffnungs-Gala zu erwarten, auf der WDR-Moderatorin Bettina Böttinger unter anderem Iris Berben und Christoph Maria Herbst zum Thema Ehe ans Lesepult bittet. Musik kommt von Max Mutzke. Außerdem wird unter dem Banner der Sektion lit.kid.Ruhr ein breites Programm für den lesenden Nachwuchs geschaffen. Mit 39 Veranstaltungen will man Kinder und Jugendliche für die Literatur begeistern und dabei nicht belehren, sondern anregen und fordern.   

Wie die erste lit.Ruhr mit ihrem imposanten Programm in der Region angenommen wird, entscheidet auch über die Zukunft des Festivals. Rainer Osnowski stellt klar: „Eine Projektphase von drei Jahren ist angelegt, danach schauen wir, wie das Festival angenommen wird.“ Optimistisch gestimmt ist der Festivalleiter. „30.000 Tickets gehen heute am 31.8. in den Verkauf – nach dem Wochenende werden die alle weg sein!“ Wer also einige der größten Literaturerlebnisse des Jahres nicht verpassen will, sollte schnell zuschlagen.

Spielorte

  • Bochum (Zeche)
  • Dortmund (Orchesterzentrum, Fußballmuseum)
  • Duisburg (Grammatikoff)
  • Essen (Zeche Zollverein, Villa Hügel, Messe Essen, Stadtbibliothek, Museum Folkwang)