Ruhrtriennale 2014: Unsere Tipps

Matthew Herbert erzählt Geschichten von Klavieren | Foto: Margaret Salmon

De Materie

„De Materie“ ist die erste große Musiktheaterarbeit des 1939 geborenen niederländischen Komponisten Louis Andriessen. Sie reflektiert die Zusammenhänge von Materie, Geist und Gesellschaft aus wechselnden Perspektiven, doch Heiner Goebbels, der sie als Eröffnung der Ruhrtriennale in der Duisburger Kraftzentrale inszeniert, will sie nicht als intellektuelle Oper sehen: Man könne das musikalisch-philosophische Werk, in dem Einzelschicksale auf Menschheitsgeschichte treffen, mit allen Sinnen genießen.

16. 17. 22. 23. 24. August, Kraftzentrale, Duisburg

Neither

Foto: Stephan Glagla

Gleich doppelter Gast der Ruhrtriennale ist der italienische Theatermacher Romeo Castellucci, der seit 20 Jahren daran arbeitet, (Genre-)Grenzen aufzuheben. Im Gepäck hat er seine Interpretation von Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, die er vergangenes Jahr absagen musste. Angekündigt ist eine Choreografie für 40 Maschinen, ein Tanz aus Knochenstaub in der Duisburger Gebläsehalle. Außerdem inszeniert er die Zusammenarbeit von Morton Feldman und Samuel Beckett, die sich bei einem Treffen 1976 einig waren in ihrer Abneigung der Oper. Deshalb definierten sie sie mit ihrem Musiktheater „Neither“ einfach neu. Castellucci inszeniert es in der Jahrhunderthalle Bochum.

6. 7. 12. 14. 19. 20. September, Jahrhunderthalle, Bochum

For Philip Guston

Der Komponist Morton Feldman begegnet dem Ruhrtriennale-Besucher noch ein zweites Mal: Das Ensemble Modern führt seine Kammermusik „For Philip Guston“ als Nachtkonzert in der Jahrhunderthalle Bochum auf. Die Hommage an den 1980 verstorbenen Maler-Freund ist eine viereinhalbstündige Komposition für drei Musiker, eine Musik der Abwesenheit und Stille. Die Zuhörer sind ab elf Uhr abends eingeladen, es sich in einer Landschaft aus Sitz- und Liegemöglichkeiten bequem zu machen, den Saal während der Aufführung zu verlassen und wieder zu betreten.

16.8. Jahrhunderthalle, Bochum

Surrogate Cities Ruhr

„Surrogate Cities“ 2008 in Berlin | Foto: Marc Coudrais

Seit 20 Jahren existiert Heiner Goebbels' Grammy nominierte Komposition „Surrogate Cities“. Im Mittelpunkt stehen ein Orchester und ein Sampler mit Sounds aus Berlin und New York, Tokio und St. Petersburg. In Heiner Goebbels' letzter Ruhrtriennale-Saison führen die Bochumer Symphoniker das Werk als „Surrogate Cities Ruhr“ in der Kraftzentrale Duisburg auf, weil Mathilde Monnier dazu eine neue Choreographie mit 140 Akteuren der Region geschaffen hat.

20. 21. 26. 27. September, Kraftzentrale, Duisburg

20 Pianos

Die Geschichten von zwanzig einzigartigen Klavieren aus der ganzen Welt erzählt der Elektronik- und Avantgarde-Musiker Matthew Herbert mit seiner Konzert-Performance „20 Pianos“. Herbert hat Steinways aus den berühmten Abbey Road Studios oder großen Konzerthäusern oder verstimmte Klaviere, die in Wohnzimmern ihr Dasein fristen, fotografiert, ihre Klänge gesampelt und Erzählungen über ihre Geschichte aufgenommen. Gemeinsam mit Sarah Nicolls und Sam Beste am Midi-Piano bindet er das Material auf PACT Zollverein in einen abendfüllende Show ein.

23. + 24. August, PACT Zollverein, Essen

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15.8.–28.9. diverse Spielorte, Ruhrgebiet

Ruhrtriennale: Intendant Heiner Goebbels im Gespräch

Heiner Goebbels hat eigentlich allen Grund, niedergeschlagen zu sein. Zum Zeitpunkt des Interviews mit Max Florian Kühlem hat die Stadt Duisburg gerade praktisch Zensur geübt und die Installation „Totlast“ des Künstlers Gregor Schneider abgelehnt. Trotzdem freut sich der Intendant auf seine dritte und letzte Ruhrtriennale-Saison und ist Feuer und Flamme für die Kunstorte des Ruhrgebiets. [mehr...]


Gregor Schneider: Aus Totlast wird KUNSTMUSEUM

Nachdem die Stadt Duisburg ihre Zusage für Gregor Schneiders Projekt „Totlast“ zurückzog, wird der Raumkünstler nun ein Projekt in Bochum realisieren. Dabei funktioniert er im Rahmen der Ruhrtriennale das Bochumer Kunstmuseum zum erfahrbaren Kunstwerk um. „Ich freue mich, den Haupteingang des Museums zu schließen. Durch einen neuen Eingang, einem Abflussrohr, uns ins Museum, in verborgene Räume, [mehr...]


15.8. - 28.9. versch. Orte, Ruhrgebiet

Ruhrtriennale 2014: Goebbels Abschlussprüfung

Zu seinem Abschlussjahr holt Heiner Goebbels noch einmal einige alte Bekannte aus seiner dreijährigen Intendanz bei der Ruhrtriennale ins Programm. Unter den großen internationalen Namen findet sich erneut der Theatermacher Romeo Castellucci, die Choreografen Anne Teresa de Keersmaeker und Boris Charmatz sowie der Performancekünstler Lemi Ponifaso. Die Eröffnung der Triennale wird in diesem Jahr [mehr...]