Kommentar zum Duisburger Kunstskandal: Verspielte Chancen

Beliebter Spielort der Ruhrtriennale: Der Landschaftspark Nord | Foto: Josefina Lohmann

Duisburg ringt seit Jahren mit seinem schlechten Ruf, was die örtliche Kulturszene angeht. Und das nicht erst seit der Love-Parade-Katastrophe. Schließlich wurde diese ja unter anderem durch den krampfhaften Wunsch, den provinziellen Ruf endlich loszuwerden, provoziert. Nun wollte Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels den Fokus seines Festivals der Künste in diesem Jahr eigentlich verstärkt auf Duisburg legen – und hätte damit vielleicht einen Grundstein für die kulturelle Revitalisierung der Stadt legen können. Doch dem erteilte Oberbürgermeister Sören Link mit der Streichung des Kunstwerks „Totlast“ eine Abfuhr und stieß damit nicht nur Goebbels vor den Kopf.

Auch der Kunstsammler Horst Spankus, der das Lehmbruck-Museum Duisburg seit vielen Jahren mit bedeutenden Leihgaben unterstützte, hat für die Absage des Oberbürgermeisters kein Verständnis und zieht Konsequenzen. Spankus zieht seine Leihgaben zur aktuellen Ausstellung „Hans im Glück“ mit sofortiger Wirkung zurück und steht auch für zukünftige Ausstellungen nicht mehr zur Verfügung. Gegenüber der WAZ bezeichnete er den OB als „Kunstbanausen“, der dem Museum schweren Schaden zugefügt habe. Auch von der Direktorin des Museums, Dr. Söke Dinkla, zeigte er sich enttäuscht. Sie hätte Link von der künstlerischen Bedeutung von Gregor Schneiders „Totlast“ überzeugen und vor einer Absage deutlich warnen müssen. Link hatte das begehbare Kunstwerk, das einen engen Tunnel als neuen Zugang zum Lehmbruck-Museum vorsah, mit der Begründung abgelehnt, dass seine Stadt für ein solches Werk noch nicht bereit sei. Die Parallelen zum Unglückstunnel der Love-Parade erschienen ihm zu hoch. Mit seiner Kritik mag der OB recht haben: Bei denen, die bei dem Unglück vor Ort waren, könnte die Begehung schlimme Erinnerungen wieder lebendig werden lassen. Ein Grund, der Installation die Genehmigung kurzfristig zu entziehen, ist es aber nicht, denn die Entscheidung, sich der Erfahrung auszusetzen, liegt letztendlich bei den Bürgern selbst.

Nun hat Link mit seiner Absage womöglich gleich zwei Chancen für seine Stadt verspielt: Erstens, sich als Spielort der Ruhrtriennale langfristig zu etablieren und somit auch internationale Aufmerksamkeit zu erlangen. Denn, auch wenn die Industriehallen im Landschaftspark Nord sicherlich in Zukunft Inszenierungen der Ruhrtriennale beherbergen werden, das Vertrauen zwischen Stadt und Festival hat mit Sicherheit großen Schaden erlitten. Zweitens verliert die Stadt mit Horst Spankus einen künstlerisch hoch versierten Bürger, der sich kostenlos für seine Stadt einsetzte. Und das kann sich eine Stadt mit dieser Haushaltslage nicht leisten.

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