Druckluft-Jubiläum: Learning by losing

Mal wieder spät geworden | Foto: Michael Blatt

Eine friedliche, ungewohnte Stille liegt am Sonntagmittag über dem Druckluft. Daniel Sprycha und Jen Hansel sitzen im Biergarten unter einem überdimensionalen Sonnenschirm vor einer Tasse Kaffee und Mate-Tee. Ihren übermüdeten Augen ist anzusehen, dass es in der vergangenen Nacht mal wieder spät geworden ist.

„Wir hatten gestern Flohmarkt und eine Reggae-Benefiz-Party“, werde ich zur Begrüßung aufgeklärt. Dass Daniel, für das Kulturprogramm im Haus zuständig und Jen, Leiterin des Jugendbereichs, in den kommenden zwei Stunden ausführlich über die aktuellen Aktivitäten im und rund um das Druckluft erzählen, hat allerdings einen erfreulichen Anlass. Im August feiert das soziokulturelle Zentrum sein 35-jähriges Bestehen.

Traditionell Alternativ

Hansel beschreibt zu Beginn des Gesprächs das Konzept der „Offenen Tür“, das keine konkrete Anforderungen an Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren stellt, sondern sie vielmehr durch die Bereitstellung von Räumen dazu animiert, selbst die Initiative zur Partizipation zu ergreifen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Fahrrad- und Nähwerkstätten über Graffiti-Flächen bis hin zu Yoga- und Capoeira-Kursen. Traditionell spricht das Druckluft bewusst alternative Jugendliche an, die anderswo allein aufgrund ihres von der Norm abweichenden Erscheinungsbilds bereits skeptisch beäugt werden. „Jeder, der hier hinkommt, wird nicht daran gemessen, wie er aussieht, sondern an seinen Handlungen. Im Ruhrgebiet gibt es zu wenige Orte, wo du so sein kannst, wie du bist.“

Partys für Pädagogik?

Eigeninitiative wird im Druckluft zwar nicht gefordert, aber gefördert. Dazu gehört auch die Option des Scheiterns, oder wie es Daniel Sprycha lachend formuliert: „Learning by losing“. Die erfahrenen Mitarbeiter nehmen z. B. junge Konzert- oder Partykollektive an die Hand, wenn diese zwar voller Tatendrang mit ihren Ideen an das Kulturzentrum herantreten, aber bezüglich der notwendigen Organisation noch mächtig grün hinter den Ohren sind. Das Thema Partys bleibt dabei stets ein problematisches. „Der Laden muss jedes Jahr kämpfen, um auf Null zu kommen. Partys bringen einfach den meisten Umsatz, aber wir fragen uns schon, wie viele von ihnen das Druckluft vertragen kann.“

Na ja, wenn die nächtlichen Wochenend-Aktivitäten im Druckluft das pädagogische Angebot gegenfinanzieren, lasst die Leute doch tanzen. Nur der Schlaf wird dann wohl weiterhin zu kurz kommen.

Weiterlesen

Hausbesetzung in Essen nach 12 Stunden beendet

Rat der RÄ.P.U.B.L.I.K. (Räume für Politik Ungewissheit Bedingungslose Liebe Ideologiekritik und Kunst) nennt sich das Kollektiv, das am Montagmorgen ein Gelände im Essener Westen zwischen Altendorf und Frohnhausen besetzte. Das weitläufige Gelände und seine Gebäude seien vom Eigentümer Thyssen- Krupp länger nicht mehr genutzt worden, erklärte eine Pressevertreterin der Aktion. „Die Gebäude sind [mehr...]