Wie schön ist die Autobahn?

Honig als Autobahnkunst | Fotograf: Markus Ambach

Kunst an der Autobahn? Da denkt man zuerst an bunt bemalte Brücken und Schallschutzwände oder vielleicht noch Skulpturen im Brachland von Autobahnkreuzen. Unter dem Titel „A40|B1 Die Schönheit der großen Straße“ gab sich das Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 von Anfang an nicht mit solchen oberflächlichen Maßnahmen zufrieden.

Kurator und Künstler Markus Ambach wollte ganz nah ran an die Autobahn und vor allem an das, was sie für die Menschen im Ruhrgebiet ist. Gemeinsam mit ausgewählten Künstlern suchte er nach Orten im Spannungsfeld zwischen urbanem Raum und Autobahn. Und fand genau dort, wo die Stadt eigentlich von der Unwirtlichkeit der Straße zurückweichen müsste, Plätze, die sich die Bewohner des Ruhrgebiets in ganz eigener Art zurückholen. Am spektakulärsten wohl am Duisburger Kreuz Kaiserberg, in dessen Schatten eine eingeschworene Dorfgemeinschaft abgeschnitten vom Rest der Stadt lebt, aber auch in Wattenscheid am Dückerweg, wo sich ein informeller Treffpunkt der Tuning-Szene etabliert hat. Diese Orte aufzuspüren und zu inszenieren war 2010 die Aufgabe der eingeladenen Künstler.

So spröde das Projekt auf den ersten Blick auch wirkte, so spannend waren dann doch die Ergebnisse, so dass schnell klar war, dass noch längst nicht alles, was Kunst erreichen kann, an der A40 umgesetzt wurde. Deshalb wird das Projekt 2013 und 2014 fortgesetzt. Wiederum hat Markus Ambach in Zusammenarbeit mit Urbane Künste Ruhr Künstler eingeladen, sich mit den speziellen Gegebenheiten der vielleicht meistgeliebten wie -gehassten Autobahn der Republik zu beschäftigen.

Im August startet Phase zwei unter dem Titel „Die Zukunft der Schönheit“. Zum Auftakt werden zwei Projekte aus dem Kulturhauptstadtjahr erneut bespielt. Die U-Bahn-Haltestelle Eichbaum, die 2010 von raumlaborberlin umgebaut wurde, erfährt durch Martin Pfeifle und Wanda Sebastian eine Aktualisierung. Die bestehende Containerarchitektur wird unter dem Titel „Eichbaumgold“ neu- und umgestaltet. Ebenfalls dort präsentieren die Musiker Sven Kacirek und Stefan Schneider – letzterer bekannt als Mitglied der Düsseldorfer Elektronik-Band Kreidler – am 10.8. eine ortsspezifische Klanginstallation. Aus Originalsounds, die vor Ort aufgenommen werden und live eingespielten elektronischen Sounds und Vibraphon ergibt sich ein Klangpanorama der U-Bahn-Station.

Am Kreuz Kaiserberg inszeniert die Künstlerin Jeanne van Heeswijk eine Prozession als Initiationsritus für ihr bis zum nächsten Sommer andauerndes Forschungsprojekt. Titel: „Teilhabe bringt Glück – Was setzt du aufs Spiel?“ Was auch immer bei dem allen herauskommt, auf jeden Fall wissen wir nachher, dass man mit der A40 mehr anfangen kann, als im Stau zu stehen.

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