Street Art in Wuppertal: Bunt statt Grau

Jens C. Mahnke und Michael Ungermanns

Zur Jahrtausendwende berichtete coolibri schon mal über die Sprayer-Szene in Wuppertal. Damals gab es überwiegend Infos von Nachtaktiven, die illegal unterwegs waren und deren Namen von der Redaktion geändert werden mussten. Seitdem hat sich viel getan; das zeigt ein Blick auf die Street Art in Wuppertal.

Ja, es gibt sie und wird sie wahrscheinlich immer geben: Langweilige Tags, die das Auge stören, Wände und oftmals auch echte Kunst verunstalten. Um die soll es hier nicht gehen.

Toleranz, Akzeptanz und auch Interesse und Kunstverständnis sind bezogen auf Graffiti und Co. in Wuppertal allerdings ganz offenbar gestiegen. Zwar gibt es die immerwährenden Schwarzweiß-Liebhaber, die an der Farbpracht nur rumnörgeln können, weil das ja „beschmutzt“ – aber unterm Strich wird doch weniger gemoppert, wenn mal ein neues (professionelles) Graffito oder ein umstrickter Laternenpfahl im Stadtbild auftauchen. Ja, wenn sogar ein Werk wie die LEGO-Stein-Brücke an der Schwesterstraße Wuppertal in den internationalen Fokus rückt, dann kann sie doch gar nicht so schlecht sein, die Street Art.

Dokumentieren

Echte Begeisterung ruft sie jedenfalls bei Jens C. Mahnke und Michael Ungermanns hervor. Die beiden haben sich vor einigen Jahren über soziale Netzwerke kennengelernt und sehr bald ein gemeinsames Interesse an urbaner Kultur festgestellt. „Daraus entstand im Laufe der Zeit der Wunsch, die Menschen auf die kulturelle Vielfalt in den Straßen dieser Stadt hinzuweisen“, informieren sie auf ihrer Website streetartinwuppertal.blogspot.de. Hier dokumentieren sie die unterschiedlichen Formen der Street Art, vom Gesprühten über Gemalten bis Urban Gardening. „Das Ziel ist es, Stadtkunst jeglicher Art zu dokumentieren und zu archivieren.“ Selber künstlerisch aktiv sind Jens und Michael zwar nicht, dafür ausgewiesene Kenner der Wuppertaler Street Art. Im Gespräch mit Jens C. Mahnke geht es um frühe Tierbilder an den Mauern der Wupperufer, um nachts entstandene und ärgerliche Schmierereien und um die Guerilla-Aktion, die vor einigen Jahren – initiiert von Red Bull – die Stadt überrollte und in Atem hielt. Ganz passiv sind der 38- und der 30-Jährige allerdings auch nicht.

Aktivieren

In Absprache mit der Stadt Wuppertal und unterstützt von zahlreichen, teils namhaften Sponsoren, haben Jens und Michael kürzlich den Tunnel zwischen Elberfelder City und Hauptbahnhof – im Volksmund Harnröhre genannt – im großen Stil umgestalten lassen. Bis der Tunnel im Zuge der kompletten Erneuerung des Döppersbergs in ein bis zwei Jahren zugeschüttet wird, können sich Passanten – und davon gibt es hier reichlich – an den bunten Wänden und Geländern nun erfreuen, reiben, darüber ärgern, dafür begeistern und was auch immer noch … Eine Beobachtung bei der Ortsbegehung mit Jens war jedenfalls: Ein junger Mann in Handwerkskluft kommt eine der Treppen hinunter, die Hand am Geländer, und wundert sich über die Strickummantelung. Fühlt noch mal darüber, lächelt, geht weiter. Ist doch schön. „Wir haben hier natürlich einen echten Hot Spot“, freut sich Jens, „alle Bahnreisenden und viele Südstadtbewohner müssen hier durch.“ Publikum satt, also.

Resümiere

Teilnehmer satt hieß bei der Kunstaktion selbst. „Neben regional und überregional bekannten Künstlern haben sich auch viele, noch wenig bekannte Künstler für die Verschönerung der Tunnelausgänge gemeldet.“ Namen wie MEGX und BIRNE durften da nicht fehlen, sind sie in der Stadt doch für viele aufsehenerregende Gestaltungen wie zum Beispiel die erwähnte LEGO-Brücke (MEGX) bekannt. ZS, der die Rückwand der Kirche St. Laurentius (!) besprühen durfte, war ebenfalls im Boot, ANGUS78, moes one, Patricia Greloff, TONS und Maschenmata weitere Protagonisten, die unter dem Motto „Grau mach bunt“ tätig waren.

Auf die Frage, ob denn schon weitere Street-Art-Aktionen in Planung sind, erwähnt Jens die große Mauer am Briller Kreuz, unterhalb des Bethesda Krankenhauses. Aber das sind noch ungelegte Eier … Dokumentieren werden Jens C. Mahnke und Michael Ungermanns derweil weiter auf erwähnter Website und auf facebook.com/StreetArtinWuppertal – auch wenn es nicht jedermanns Sache ist: Bei Redaktionsschluss gab es hier jedenfalls schon über 1 600 Likes.

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